Drei Jahre Plagiatsdebatte

Erfordert es ein wenig Distanz, etwas Zurücklehnen und einen weit schweifenden Blick, um all das einzuordnen, was seit Mitte Februar 2011 geschehen ist, als der Plagiatssturm über Deutschland tobte? Dieser Anforderung lässt sich vielleicht mit einer Umschau entsprechen, die zunächst einige aktuelle Fälle fokussiert, um sie sodann in allgemeine Tendenzen der Plagiatsdebatte einzuordnen.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Der Großmeister des Politplagiats hat noch kein Comeback geschafft. Er bestreitet auch, auf der Münchner Sicherheitskonferenz Ende Januar 2014 seinen 386. Comeback-Versuch unternommen zu haben.[1] Dass es irgendwann aber so weit sein wird, ist wohl unausweichlich, wenn man seine Position in einschlägigen Netzwerken,[2] seine thematischen Interessen und seine Vorstellung eines gelingenden Lebens in Betracht zieht. In den nächsten zwei Jahren ist das vielleicht noch nicht zu erwarten. Aber dann könnten ihm Angebote unterbreitet werden, die er nicht ablehnen kann.

Zu diesem Zeitpunkt wird sich erweisen, dass Guttenberg – auch aufgrund seines Alters – strategisch gut beraten war, seine Doktorarbeit und den zugehörigen Titel nach anfänglichem Lavieren rasch aus der Welt zu schaffen. Wenn seine innerparteilichen Konkurrenten klug sind, verschaffen sie ihm einen glanzvollen, aber einflusslosen Posten, zum Beispiel als Botschafter. (Wenn sie dumm sind, rufen sie ihn morgen als Ersatz für Hans-Peter Friedrich ins Kabinett.) In den USA gibt es sicherlich viel kompetentes diplomatisches Personal, sodass ein glamouröser Narziss auf der richtigen transatlantischen Linie nur wenig Schaden anrichten könnte.

Andreas Scheuer (CSU)

Als Generalsekretär der CSU ist Scheuer in Guttenbergs Fußstapfen getreten. Seinen falschen Doktor hatte der zielstrebige Scheuer – drei Jahre jünger als der fränkische Freiherr, dennoch drei Jahre vor ihm promoviert – allerdings auf ziemlich billige Weise in Prag erworben: Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns ist wissenschaftlich ein lächerliches Machwerk,[3] aber für die Parteikarriere war das Thema genau richtig: Bereits im November 2005 war geklärt, dass Scheuers „Dr.“ falsch war.[4] Der damals erwartete Schaden für sein Ansehen trat anschließend aber nicht ein, im Gegenteil:

Die Öffentlichkeit war noch nicht sensibilisiert für falsche Doktoren, und der Staatsanwaltschaft gaben die CSU-Netzwerker klare Anweisung, dass sie gerade planten, die Gesetzeslage so zu verändern, dass Scheuer seinen falschen Doktor in Bayern legal führen dürfte. Bis dahin wurde das Strafverfahren auf Eis gelegt, dann eingestellt. (Wie es kommt, dass die lex scheueri außer in Bayern auch in Berlin gilt, wäre noch aufzuklären.) Scheuer, seit 2002 im Bundestag, diente 2009-2013 als Staatssekretär im Verkehrsministerium, im Dezember 2013 wurde er CSU-Generalsekretär als Nachfolger Alexander Dobrindts.

Bald darauf wurden die Plagiatsvorwürfe hochgekocht.[5] Die FAZ wollte wieder vorne mit dabei sein,[6] aber echtes Interesse besteht an dem Fall nicht. Die müde Vorführung von Plagiatsopfern[7] (wo doch beim Wissenschaftsplagiat ziemlich eindeutig das Publikum das hauptsächliche Opfer ist, zumal bei Scheuers quälendem Elaborat) konnte auch nicht so recht mitreißen. Die windigsten Beschwichtigungsversuche aus Prag[8] führten rasch zum Abflauen der ersten Aufregung. Als Affäre hat der Fall Scheuer einfach nicht das Guttenberg-Potential, da die Erwartungen an ihn denkbar niedrig sind. In der Partei findet man es eher ein Qualitätsmerkmal, dass er ein Blender ist. Dafür hat man ihn schließlich zum Guttenberg-Nachfolger gemacht:

„Mehr sein zu wollen, als man wirklich ist – diese Einschätzung kommt häufig. ‚Show ist ihm das Wichtigste‘, sagt einer mit viel Einfluss, der ihn seit langem aus der Nähe kennt. Viele Wegbegleiter bescheinigen Scheuer nicht nur politisches Talent, sondern auch die Fähigkeit, sich in Szene zu setzen.“[9]

Guttenberg, das zeigt sich im Vergleich, war durch Saubermann-Image, Klartext-Attitüde und Medienhype so weit aufgestiegen, dass er bei der Plagiatsentdeckung eine Fallhöhe erreicht hatte, die bei Scheuer einfach nicht gegeben war.

Karlheinz Götz

Der Putzunternehmer „Blitz-Blank“ Karlheinz Götz ist hingegen ein echter Saubermann. Der 1941 geborene Regensburger Honoratior, der 2005 in Oviedo über Regensburger Bildungsgeschichte promoviert wurde, ist bestens vernetzt: Sein Sozialkapital ist so exorbitant, dass die spanische Universität mit dem Vorschlag an ihn herantrat, dort zu promovieren. Man stellte ihm zudem einen Prüfungsausschuss voller Emeriti (damit nicht überwiegend Jungspunde das Alterswerk bewerteten). Das in seiner Dissertation manifestierte Kulturkapital allerdings („Jeder Doktorvater würde verhindern, dass er mit einem Produkt dieser Qualität blamiert würde“[10]), ach, Schwamm drüber…

Wie bei Scheuer wirkt es sich auch bei Götz als Vorteil aus, im Ausland und unter fragwürdigen Bedingungen den Doktor erworben zu haben: Die dortige Universität ist nicht so besorgt um ihren Ruf; die deutsche Presse kann nicht so leicht nachfassen; die mediale Dynamik einer Affäre lässt sich so im Keim ersticken. Man braucht nur: widersprüchliche Angaben der Uni und eine entschlossene Erklärung auf einem Nebenschauplatz: „Es ist kein Geld geflossen!“[11] Dann kann man die Wogen glätten und die Angelegenheit im Dunkel einer ungewissen Zukunft versenken.[12]

Plagiatskommunikation der Profis

Dass es vorteilhaft für die Betroffenen ist, eine Plagiatsaffäre herunterzukochen, statt sie hochkochen zu lassen, ist simpel. Elemente des Herunterkochens sind:

  1. Überlegte, am Kernvorwurf vorbeizielende, plausible Statements
  2. Zeitverzug
  3. Widersprüchliche Angaben von Autoritäten

Zum Hochkochen hingegen tragen diese Elemente bei:

  1. Hilflos erscheinende Abwehrgesten (Komödie)
  2. Schrittweise Vergrößerung der Vorwürfe (Drama)
  3. Zweifelsfreiheit der Sachverhaltsdarstellung (Tragödie)

Das hat auch die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) erkannt und nach diesem Motto „Empfehlungen zum Umgang mit Plagiatsverdachtsfällen“ entworfen, die Ende Mai 2014 auf der Jahrestagung der DGPuK in Passau beschlossen werden sollen. (Warum nur geht es in diesem Artikel immer wieder um Bayern?) Die Grundsätze der DGPuK richten sich dagegen, Plagiatsvorwürfe in Rezensionen zu veröffentlichen, dagegen, Plagiatsvorwürfe als unbezweifelbare Fakten anzusehen, sowie gegen Plagiatswikis. Sie lauten, wie vom Vorstand in Ausgabe 57 der DGPuK-Zeitschrift „Aviso“ (S. 4) formuliert:

  1. Im Falle von Plagiatsverdächtigung sollen zuerst (und vor allem vor einer Veröffentlichung) die betroffenen Personen und Institutionen informiert werden.
  2. Die Betroffenen erhalten eine ausreichende Zeitspanne zur Reaktion (höchstens drei Monate).
  3. Die Öffentlichmachung von Plagiatsmomenten setzt voraus, dass die Verdächtigungen tatsächlich substantiell sind. Dies schließt ein step-by-step der Veröffentlichung von inkriminierten Seiten aus.
  4. Den Betroffenen ist in allen Fällen der Öffentlichmachung die Möglichkeit der Verteidigung (Gegendarstellung) einzuräumen.

Plagiatsgutachter Stefan Weber, einst selbst DGPuK-Mitglied, hat dazu einige Einwände vorgetragen (ebenda, S. 5), allerdings recht weichgespült. Den PR-Interessen der „Betroffenen“ wird dabei Vorrang vor der Wahrheitsfindung eingeräumt. Offenbar bringt die Entwicklung des Plagiatsdiskurses auf lange Sicht auch den Altmeister der Plagiatsrecherche auf Linie, von dem tagesschau.de zu Beginn der Guttenberg-Affäre schrieb:

„Viele nennen ihn den ‚Plagiator‘: Stefan Weber, Medienwissenschaftler aus Salzburg und Experte für Wissenschaftsplagiate.“[13]

Dass die Bedeutung des Begriffs „Plagiator“ heute eine andere ist, deutet darauf hin, dass eine neue Epoche sich neue Bedeutungen geschaffen hat (oder dass der Journalist sich das damals aus den Fingern gesogen hat). Zu GuttenPlag sagte Weber damals:

„Aber wir haben hier schon ein neues Werkzeug, das dieses Phänomen des Textplagiarismus in einem neuen Licht erscheinen lassen könnte und das auch helfen könnte, dass weniger Plagiate in Zukunft passieren.“[14]

Wandel des Plagiatsdiskurses

Nun erscheint es in einem neuen Licht, das Phänomen Plagiarismus: Eine breite Öffentlichkeit weiß, wovon die Rede ist („Abschreiben“), als Hauptproblem gilt derweil im akademischen Umfeld aber nicht mehr, wie man Plagiate verhindert oder aufdeckt, sondern ob man überhaupt in einem konkreten Fall von wissenschaftlichem Fehlverhalten (oder gar Plagiat) sprechen kann – oder ob das nicht angesichts der vitalen Interessen der Betroffenen aus „moralischen“ Gründen unmöglich ist. Die Zweifelsstrategie des Pyrrhonismus hat letztlich auch den „Zeloten“ Weber erreicht.

Sobald nämlich der menschliche Aspekt in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, ist die Sachebene des unpersönlichen Plagiats verloren. Weber brachte das in Aviso auf den Punkt:

„Es ging hier nicht um Wahrheitsfindung, sondern um das Schützen von Personen. Ein solches Vorgehen widerspricht aber den wissenschaftlichen Grundprinzipien.“[15]

Doch er gab das Schutzinteresse von Personen zu, und das gewann seither weiter an Raum: Im Januar publizierte er einen Widerruf seiner Plagiatsvorwürfe einer Dresdner Kommunikationswissenschaftlerin. Zum Abschluss des lange sich hinziehenden Falls kam er zu einer personenschutzbezogenen Einsicht:

„Ich gestehe aus heutiger Sicht, dabei an die menschliche Dimension und die möglichen emotionalen Folgen bei den Beschuldigten im Eifer des Gefechts nicht gedacht zu haben. Dies tut mir sehr leid.“[16] (zuletzt abgerufen am 5. Februar 2014, aktuell nicht mehr online, vgl. Zitate hier)

Nachdenkliche Töne wie diese von einem – dem – prominenten Plagiatsrechercheur bringen die persönliche Perspektive der Verdächtigen in Anschlag. Als nächsten Schritt erklärte Weber nun unter dem Titel „Neue Geschäftsfelder für die Plagiatsprüfung: Jenseits der Dissertationsautopsie“ seinen Rückzug aus dem Bereich der öffentlichen Untersuchungen von Dissertationsplagiaten:

„Trotz aller Schwierigkeiten, Anfeindungen und Klagsdrohungen wird Ihr werter Plagiatsgutachter seine Arbeit fortsetzen. Er will in Zukunft aber nicht mehr als öffentlicher Ankläger, sondern als Helfer in kniffligen Fällen und Anbieter von Software-Lösungen für Universitäten und andere Bildungsinstitutionen tätig sein.“[17]

Damit passt sich Weber an den Mainstream-Kurs an, Dissertationen und ihre grundlegendsten Mängel nicht mehr als öffentliche Angelegenheit zu behandeln. Vorgegeben haben den Kurs nach Guttenberg alle, die sich mehr um die möglichen Folgen für das öffentliche Ansehen möglicherweise zu Unrecht Verdächtigter sorgten als um die Aufklärung und Beseitigung massiver – und endemischer – Mängel des Wissenschaftssystems. Wissenschaft ist eine soziale Angelegenheit. Sie ist so sozial, dass als Nestbeschmutzer rausfliegt, wer auf den Schmutz im Nest hinweist.

Zwischen Volkszorn und heiliger Inquisition

Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, wie im Internet Wissenschaftler auf niederträchtigste Weise gemobbt werden, besuche einmal die Seite verleumdung.wordpress.com. Wie der Name schon sagt, lassen dort Unterstützer der von Weber des Plagiats Verdächtigten ihren finsteren Gelüsten unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Redlichkeit freien Lauf. Ein Abgleich der zahlreichen Wortmeldungen lässt diese Veranstaltung allerdings als großes Sockenpuppentheater erscheinen, die Zahl der tatsächlich Beteiligten dürfte gerade mal im mittleren einstelligen Bereich liegen. Zu den zahmsten Stellen auf dieser Prangerseite gegen den unbescholtenen Wissenschaftler Weber zählt:

„Ist das Internet nun zum modernen Prangermedium avanciert, in dem jeder unschuldig diffamiert werden kann und darf?“

Die Antwort lautet offensichtlich: Ja. Na, dann empfiehlt es sich, wie so oft, den eigenen Ratschlägen zu folgen:

„Kolleginnen und Kollegen der DGPuK, lasst uns gegen solche Rufmörder vereinigen!“

Das macht die DGPuK dann sicher auch in ihren noch zu beschließenden Empfehlungen. Jemand, der als „Prof. em. Dr. Rüriger Funiok, Hochschule für Philosophie München“ unterzeichnet, fasst als Kommentator auf verleumdung.wordpress.com die Position zusammen, nach der Plagiatssuche schlechterdings unwissenschaftlich ist. Tippfehleropfer Rüdiger Funiok ist allerdings keine Sockenpuppe, sondern Emeritus der „Hochschule für Philosophie München“ (offizielles Motto: „Studieren bei den Jesuiten“[18]). Er ist auch in der Zeitschrift Aviso prominent vertreten, und zwar mit dem Rat, gegen Plagiatsvorwürfe alle möglichen persönlichen Netzwerke zu aktivieren und so ein kommunikatives Gegengewicht gegen die – offensichtlich stets – an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfe zu bilden.

Ähnlichkeiten zu Vorgehensweise und Argumentationsmustern im Fall Schavan sind absolut zufällig, dass die damalige Bildungsministerin an der Jesuitenschule ein und aus ging,[19] hat damit gar nichts zu tun. (Man beachte die Differenz: Man dürfe junge Wissenschaftlerinnen nicht des Plagiats verdächtigen vs. man dürfe eine Dissertation, die über 30 Jahre zurückliege, nicht verdächtigen.)

Stefan Weber hat man offenbar in den letzten Jahren ausgiebig die Instrumente gezeigt, die der scientific community gegen Ketzer zur Verfügung stehen. Dass Jesuiten dabei eine führende Rolle spielen, verleiht dem Ganzen erst den richtigen Nachdruck. Und natürlich universitäre Beschlüsse wie jüngst dieser im Fall Haferkamp, der Weber auch persönlich betrifft.[20] Verständlich, dass Weber da letztlich seinen Verfehlungen abschwört, um der hochnotpeinlichen Inquisition und dem Scheiterhaufen zu entkommen. Beim Verlassen des Gerichtssaals soll er unbestätigten Berichten zufolge gemurmelt haben:

„Und ein Plagiat ist es doch.“

Im akademischen Plagiatsdiskurs hat sich demnach jene Position weitgehend durchgesetzt, für die das Risiko einer „Falschbeschuldigung“ groß und wichtig, das Risiko tatsächlichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens aber gering und vernachlässigbar ist. Das ist kein Wunder (auch wenn Jesuiten das anders sehen mögen), denn aus dieser Perspektive ist im Prinzip jeder Plagiatsvorwurf eine Falschbeschuldigung. Der Pyrrhonismus ist ja schon zur Sprache gekommen, und wie er sich ausgebreitet hat, ebenfalls. Zur Ablenkung vom verminten Feld des Wissenschaftsplagiats konzentriert sich Stefan Weber künftig auf Plagiate bei Unternehmenswebsites, Patentschriften, Handtaschen, Sportschuhen und Gutachten.[21] Recht hat er: Nach dem Inquisitionsprozess unter Hausarrest kann man vielleicht ein paar unverfängliche Aufträge erledigen, aber über das Zentralgestirn muss man schweigen.

Die weiteren Aussichten

In etwa 359 Jahren ist mit einer Rehabilitierung des einen oder anderen als Ketzer verurteilten Plagiatsjägers zu rechnen. Beispielsweise weil sich die Vorwürfe letztlich als gerichtsfest erwiesen. So hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) am 3. Februar 2014 Silvana Koch-Mehrins Antrag auf Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil, das ihre Klage gegen die Universität Heidelberg abgewiesen hatte, abgelehnt:[22]

„Das Verwaltungsgericht Karlsruhe befand im März 2013, dass Koch-Mehrin den Titel zu Recht verloren habe, weil sie in ihrer Doktorarbeit teils mehrseitige Passagen samt Fußnoten aus fremden Texten nahezu wortgleich übernommen habe, ohne dies kenntlich zu machen. Dies lasse den Schluss zu, dass die Klägerin ‚wiederholt und planmäßig‘ getäuscht habe.
Der VGH in Mannheim entschied nun, es gebe keine ‚ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit‘ dieses Urteils.“[23]

Ihr bleibt dagegen höchstens die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde. Solche gerichtliche Durchsetzbarkeit von Plagiatsverdikten lässt immerhin Raum für die Hoffnung, dass wissenschaftliche Grundorientierungen künftig einmal wieder größeres Gewicht gewinnen könnten in der öffentlichen Debatte über Plagiate. Sonst sieht alles düster aus für die Zukunft von „Germany’s Plariarism Police“. Aber man würde ja auch nicht erwarten, von der Inquisition verschont zu bleiben, wenn man den Papst der Ketzerei bezichtigt. Selbst wenn es wahr ist.

tl;dr: Der Plagiatsdiskurs hat sich seit dem Fall Guttenberg gedreht: Plagiatoren galten zunächst vor allem als Täter. Nun gelten Plagiatsverdächtige vor allem als Opfer, Plagiate hingegen als vernachlässigbar.

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7 Antworten zu “Drei Jahre Plagiatsdebatte

  1. Vielen Dank für diese ausgezeichnete Analyse. Dass der Wind aus einer neuen Richtung weht, war seit einiger Zeit zu spüren. Lassen Sie das aber bloss nicht die Anwälte von Frau Schavan lesen. Die kämen sonst noch auf die Idee, aus diesem Blog ein Zeugnis für eine voreingenommene, weil allzusehr vom Zeitgeist geprägte Behandlung ihrer Mandantin zu machen.

  2. Pingback: Die verlorenen Jahre des Martin W. und die Verwirrungen des Zöglings Preuß | Erbloggtes

  3. Dazu eine eher ungnädige Replik: http://archiv.twoday.net/stories/706563888/#comments

    („willenlos“, „Pfeife von VroniPlag“ „anonyme[n] „Saubermännern und –frauen““, „sensationsgierigen Publikums“, „nicht studierten Journalisten“, „Manege“ – Die verwendeten Begriffe und Sprachbilder sind interessant und lassen auch einen leicht erhöhten Blutdruck bei diesem Thema vermuten. Klingt fast so, als würde er bei jedem noch so schalen „Freispruch“ am liebsten eine Flasche Vergorenes entkorken wollen: Hauptsache, man hat diesen Frechlingen von Vroniplag mal wieder gezeigt, was eine Harke ist.)

  4. Dr. Bernd Dammann

    Was heißt hier „Klingt fast so, als … .“? Bei nächster Gelegenheit, also am 20. März, könnte bei mir vielleicht tatsächlich wieder ein Schampuskorken knallen! Nun raten Sie mal, bei welchem Urteilsspruch?

  5. Pingback: Umleitung: Alles außer Doping … selber gucken! | zoom

  6. Herr Dammann, Sie können ja gern trotzdem Schaumwein trinken, aber in einem von Ihnen avisierten Grabenkrieg um die Herrschaft über die Wissenschaft, in dem angeblich anonyme Saubermänner und -frauen gegen um Autonomie ringende Fakultäten kämpfen, wird es am 20. März – soviel sei verraten – nichts zu feiern geben.

  7. Pingback: BdV-Präsident Bernd Fabritius: Dr. plag. auf Rumänisch? | Erbloggtes

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