Online-Petition zu Ulms Botschafterin beim Vatikan

Erbloggtes von Donaufisch Ulm:

Verehrter Herr Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier,

*

mit Bestürzung mussten wir erfahren, dass die Berufung Annette Schavans zur Botschafterin beim Vatikan durch die Personalvertretung Ihres Ministeriums hintertrieben wird. Frau Schavan sei keine ausgebildete Diplomatin, sie verfüge über keinen Universitätsabschluss, sie könne nur die erfolgreich absolvierte Reifeprüfung vorweisen, das Auswärtige Amt dürfe nicht zur Versorgungsanstalt für Politiker werden, heißt es zur Begründung.

*

Wir sind empört, wie hier mit einer verdienten Politikerin umgegangen wird. Offensichtlich sind in Ihrem Ministerium Mitarbeiter tätig, denen es am gehörigen Respekt vor verdienten Persönlichkeiten mangelt. Uns drängt sich der Eindruck auf, dass im Auswärtigen Amt gottlose Subjekte das Sagen haben, die der 68-Bewegung entstammen.

Weiterlesen… noch 488 Wörter.

Erwartete so ein Ulmer Wutbürger wirklich, mit schwäbischen Brandbriefen „Die große Politik der europäischen Kabinette“, wie die bekannte „Sammlung der diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes“ aus der Zeit 1871-1914 heißt, manipulieren zu können? Nun soll es auch noch eine Online-Petition dazu geben. Kaum vorstellbar, wenn dahergelaufene Filous ganze Reiche kapern, damit Revolutionen und Kriege auslösen und Dynastien zu Fall bringen könnten.

Zum Ablauf der Berufung Annette Schavans zur Botschafterin im Vatikan hat Hupe Weißkräcker noch einen interessanten Ausschnitt aus der Mitschrift der Bundespressekonferenz vom 3. Februar ausgegraben. Darin erklärt der stellvertretende AA-Sprecher (sagt man das so?) Sebastian Fischer, dass die Frage, wie das AA beim Heiligen Stuhl vertreten sein wird, bereits „in den Koalitionsvereinbarungen“ geklärt worden sei. Damit hat er wohl etwas öffentlich kundgetan, was er nicht hätte tun sollen, denn später sagt er:

„Es ist nicht an mir als Sprecher des Auswärtigen Amtes, mich zu Einzelheiten der Koalitionsverhandlungen einzulassen.“

Bei einem Blick auf Schavans Terminkalender für die nächsten Tage fällt eine Veranstaltung auf, die sie sicherlich nutzen wird, um die Koalitionsverhandlungspartner von der CSU von ihrer charakterlichen Eignung für den Posten der AA-Vertreterin beim Heiligen Stuhl zu überzeugen: In Abensberg, einer 13.000-Seelen-Stadt mitten im Herzen Bayerns, veranstaltet der Kreisverband am 6. März ein politisches Bratheringessen. Während Schavan über das Thema „Christ sein und Politik“ spricht, spielt zur Unterhaltung des Publikums die CSU-Blaskapelle Schwarzes Blech unter der Leitung von Heinz Pickel. Gewöhnlich gut informierte Kreise leakten bereits einen Teil des geplanten Vortrags:

Es wird mit Recht ein guter Braten
Gerechnet zu den guten Taten;
Und daß man ihn gehörig mache,
Ist weibliche Charaktersache.
Ein braves Mädchen braucht dazu
Mal erstens reine Seelenruh,
Daß bei Verwendung der Gewürze
Sie sich nicht hastig überstürze.
Dann zweitens braucht sie Sinnigkeit,
ja, sozusagen Innigkeit,
Damit sie alles appetitlich,
Bald so, bald so und recht gemütlich
Begießen, drehn und wenden könne,
Daß an der Sache nichts verbrenne,
In Summa braucht sie Herzensgüte,
Ein sanftes Sorgen im Gemüte,
Fast etwas Liebe insofern,
Für all die hübschen, edlen Herrn,
Die diesen Braten essen sollen
Und immer gern was Gutes wollen.
Ich weiß, daß hier ein jeder spricht:
Ein böses Mädchen kann es nicht.
Drum hab‘ ich mir auch stets gedacht
Zu Haus und anderwärts:
Wer einen guten Braten macht,
Hat auch ein gutes Herz.

Das hat sie schön gedichtet. Hat sie doch, oder?

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13 Antworten zu “Online-Petition zu Ulms Botschafterin beim Vatikan

  1. Das Programm des politischen Bratheringessens am 6.3. im Jungbräu zu Abensberg ist hier nur unvollständig wiedergegeben. Tatsächlich gibt es zunächst ein Grundsatzreferat, gefolgt von einem Erfahrungsbericht:

    Prof. Dr. h.c. Annette Schavan Mdb, Bundesministerin a.D. (vat. pend.):
    „Christ sein und Politik“

    Politischer Brathering:
    „Fisch sein und Pfanne“

    Musikalischer Ausklang:
    „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“
    „Muss i denn, muss i denn“
    Erzherzog-Johann-Jodler
    Es spielt die CSU-Blaskapelle Schwarzes Blech unter der bewährten Leitung von Heinz Pickel

  2. Es gibt einfach Phänomene, die hat die europäische Ethnologie noch viel zu wenig untersucht. Man sollte bei der DFG ein großes Projekt zur teilnehmenden Beobachtung beantragen.

  3. Dr. Münchhausen

    Liebe Simone, ich wäre so froh, wenn Sie wieder einmal Zeit und Muße für eine Reise zum Brennpunkt des Geschehens fänden, um uns dann aus erster Hand zu berichten.

    Vielleicht wächst Frau Professor Schavan just zu diesem Termin wieder über sich hinaus, stellt Plan und Programm in den Schatten, und dann wäre es schade, wenn wir für unsere Information bezüglich der vielversprechenden Rede „Christ sein und Politik“ allein auf den Lokalteil der Zeitung „Mittelbayrische“ angewiesen wären.
    Zumal in Abensberg ja auch so einiges verloren gehen kann, wenn man nicht achtsam ist. Wikipedia berichtet in ihrem Eintrag über Abensberg sogar, dort sei ein Gedenkstein, der an KZ-Opfer erinnerte, vom Friedhof verschwunden.

    Die Rede der Frau Professor wird sicher der volkstümlichen Umgebung angepasst sein. Im Rahmen ihrer theologischen Lehrtätigkeit wird das Thema dagegen eher unter dem Titel: „Einführung in die Grundzüge christlicher Verantwortung in der Gestaltung politischer Wirklichkeit“ in Vorlesungen, Teil 1 + 2, über 2 Semester mit begleitendem Seminar erarbeitet. Da können die Abensberger froh sein, das bleibt Ihnen erspart.

    Apropos, erfrischend wäre sicher ein Bericht aus erster Hand von der wissenschaftlichen Lehre der Frau Professor an der Freien Universität. Vielleicht findet sich eine hier mitlesende Studentin der Theologie, die an der Exzellenzuni eingeschrieben ist, und die sich für uns vor Ort begeben könnte. Indem sie anschließend hier berichtet, könnte sie damit nicht nur ihren eigenen Horizont erweitern, sondern sich sozusagen als Multiplikator des schavanschen Wissens betätigen. Gemäß dem alten Motto: see one, do one, teach one, wie es mein ehrwürdiger Doktorvater gerne gelassen aussprach.

  4. Pingback: Umleitung: von Matusseks Niedergang bis zur Windkraft in Medebach und mehr. | zoom

  5. „Mit Macht umzugehen, ist eine politische Kunst“
    http://www.donaukurier.de/lokales/riedenburg/Abensberg-Mit-Macht-umzugehen-ist-eine-politische-Kunst;art602,2888170
    Sieht sich jemand in der Lage, die Qualitäten von Schavans Präsent zu erklären?

    Neumeyer ist bekannt für seinen guten Geschmack bei der Auswahl der Geschenke für seine zahlreichen prominenten Gäste. Auch diesmal passte die Auswahl: Annette Schavan bekam […] ein Bild mit einem Cartoon und folgendem Text: Der Pfarrer zum Kardinal: „Eminenz wir fahren nach Neapel!“ Darauf antwortet der Kardinal: „Hauptsache los von Rom!“

  6. „Für Christen bedeute Politik vor allem „Verantwortung für andere zu übernehmen“…..“
    Unsäglich, diese widerliche Selbstgefälligkeit gepaart mit Heuchelei und Banalitäten. Sie spricht von Verantwortung und meint Machtausübung über andere. Sie spricht von Verantwortung und trägt noch nicht einmal die Verantwortung für ihr eigenes betrügerisches Handeln.

  7. Dr. Bernd Dammann

    Ich lese und übersetze die metaphorisch verpackte Botschaft des CSU-MdB Neumeyer so: mit Rom ist in Wirklichkeit Berlin gemeint und der Großraum Neapel, bekannt und berüchtigt als Müllhalde mafiös organisierter Abfallentsorgungspraktiken, steht hier für Rom als Abstellgleis und Deponie politischen Sondermülls. In dieser Ausdeutung handelt es sich also um eine ziemlich abgedrehte, hämische, hinterhältige und gehässige CSU-Mitgift auf Schavans Weg in den Vatikan – denke ich.

  8. Danke, in der Tat klingt es plausibel, dass damit etwas gesagt sein soll wie: Lieber Kardinal (höchster Würdenträger) in der Provinz als Kardinal (einer unter Vielen, die in ständige Machtkämpfe verwickelt sind) in der Hauptstadt, wobei Kardinal dann als Spitzenpolitikerin zu interpretieren wäre.

    Es muss allerdings auch eine harmlose Interpretation geben, da kommt mir nun sowas Schlichtes und überhaupt nicht Lustiges in den Sinn wie: Komm bald wieder aus Rom zurück, Annette! Das würde allerdings auf ein Konzept hindeuten, in dem Schavans Botschafterposten nur eine Auszeit ist, kein Gnadenhof. Ob das wohl jemand glaubt?

  9. Und wer nun glaubt, ich würde übertreiben, der sei nochmals an den Kommentar von „Altgedient“ vom 24. Dez. 2013 erinnert.
    https://erbloggtes.wordpress.com/2013/11/04/schavans-rechtsweg-terminiert/

  10. Dass Verantwortung hier als Euphemismus für Machtausübung gelesen werden kann, findet wahrscheinlich niemand übertrieben. Der Donaukurier ist irgendwie „verblüfft“ von Schavans Machttheorie, womöglich weil im bundesdeutschen Diskurs (was im Text „für Christen“ heißt) Machtgebrauch rasch Machtmissbrauch ist, sofern nicht die Rechte aller Betroffenen beachtet werden:

    „Eine vor allem für Christen immer wieder sensible Frage ist der Umgang mit Macht. Die Antwort von Annette Schavan, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Krise in der Ukraine und auf der Krim, verblüfft: „Mit Macht umzugehen ist eine politische Kunst.“ Politik bedeute eben die hohe Kunst des Kompromisses. Denn, so weiß die frühere Spitzenpolitikerin aus jahrzehntelanger Erfahrung: „Wer immer alles durchsetzen will, der erleidet unweigerlich Schiffbruch.““

    Wenn Schavan von Macht spricht, scheint aber, zumindest in der Darstellung des Donaukurier, eine machttechnische Haltung durch, in der Macht nur durch Gegenmacht eingegrenzt wird: Der Kompromiss ist insofern vor allem die Einigung der Mächtigen, nicht der Ausgleich aller berechtigten Interessen. Vor diesem Hintergrund ist die „Schiffbruch“-Formulierung in Bezug auf die Causa Schavan besonders interessant: Sie kommt daher als Lebenserfahrung einer Berufspolitikerin mit einer prägenden Schiffbruch-Erfahrung, womöglich einer einzigen, wenn man die (wie stets betont wird) so unglaublich erfolgreiche Bildungspolitik als Quelle von Schiffbruch-Erfahrungen ausschließen kann.

    Dann wird nämlich der politische Schiffbruch Plagiatsaffäre (wie gewohnt) nicht mit einem Plagiat erklärt (oder zumindest einem Verhalten, das so dicht am Plagiat ist, dass es zur Erklärung taugt), sondern damit, dass die Unschuld vom Lande „immer alles durchsetzen will“. Es sind also demnach die politischen Gegner, die Schavans unsinkbares Schiff sabotiert haben. Eine Erklärung, die einfach bestechend ist. Ungefähr wie die: Die Uni Düsseldorf hat Schavan den Doktor aberkannt, weil sie bei der Exzellenzinitiative nicht genug Geld bekommen hat.

  11. Ja, Christen sind gern und emsig unterwegs in Gottes Auftrag.
    Die Schavans unter Ihnen leiten und gestalten in christlicher Verantwortung die große Politik und führen „die Wissenschaft selbst“ gegen die Universität Düsseldorf ins Feld und vor Gericht, weil der Herrgott sie dazu berufen hat, das ganz große Rad zu drehen.
    Dabei vergessen solche Persönlichkeiten über das „mörderische Alltagsgeschäft“ durchaus nicht, sich noch Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Ja, darauf kämen die Atheisten natürlich sind, denn Nachdenken, das ist spätestens seit der Aufklärung bekannt, ist das vornehme Privileg der Christen.

    Aber nicht nur die diejenigen Christen, die in gehobener Stellung tätig sind, wollen nachdenken und Verantwortung für andere übernehmen. Auch all die kleinen einfachen christlichen Menschlein sind nicht untätig, sondern übernehmen Verantwortung für andere, denn auch viele tausend Christen, die viele tausend Schritte tun, können die Welt verändern. Das widerfuhr mir folgendermaßen:

    Ich sank am Samstag morgen nach einer durchgearbeiteten Nacht gegen 10 Uhr ins Bett und der erschöpfungstypische unmittelbare Schlaf stellte sich ein. Allerdings, es waren noch keine vollen drei Stunden verstrichen, da wurde ich aus Tiefschlaf geweckt, denn es läutete an der Tür. Nach kurzer Reorientierung, ob schon Abend oder noch Tag wäre, offenbarte der Klingelton, dass inzwischen schon oben an der Wohnungstür geklingelt und sogar geklopft wird, offensichtlich ist der Besuch also bereits über die offene Haustüre im ersten Stock angelangt.
    In Verwunderung, weil der DHL-Mann eigentlich immer unten klingelt, auch wenn dort offen ist, aber in freudiger Erwartung einer hübschen bei ebay bestellten Sache und in Rücksicht auf eben den DHL-Mann, der immer in Eile ist, springe ich selber aus dem Bett, laufe zur Wohnungstür – nur mit Unterhose bekleidet und zerzaust, aber man kennt sich ja, denn es kommt eigentlich immer der gleiche DHL-Mann – um demselbem zu öffnen.
    Da schaue ich aber garnicht dem Paketboten und dem erfolgreich ersteigerten Paket von ebay ins Gesicht, nein, vor der Tür stehen zwei ältere Damen mit aufgeschlagenenem Buch in der Hand.

    In Anbetracht der augenscheinlich unpässlichen Situation, in der ich mich befinde, lügt die eine schamlos: „wir wollen auch gar nicht lange stören, sondern nur mal auf den Wert der Bibel hinweisen“ und streckt mir das Buch entgegen. Ich selber bin von der orthostatischen Dysregulation nach schnellem Aufstehen sowie in Anbetracht einer gewissen Fassungslosigkeit über das ausgebliebene ebay-Paket sprachlos.
    Mir ist nicht mehr sicher in Erinnerung, was die Dame weiter meinte, ich erinnere mich nur noch wie ich die Tür zuschob. Die Damen zogen wohl weiter, um weitere Einwohner der Stadt mit ihrem Buch zu konfrontieren. Im Bett überkam mich dann rasch wieder tiefer Schlaf. Mir träumte von einer Schlacht gegen Christen, es donnert und knallt, ich selbst bin der Feldherr und rufe im Traum, „seid nicht feige Leute, lasst mich hintern Baum“ (frei nach Ulrich Roski).

    Wenn Christen „Verantwortung für andere“ weiterhin so wahrnehmen wie es Frau Professorin Schavan und die zwei oben beschriebenen Damen tun, nämlich indem sie die wahlweise die Wahrheit auf den Kopf stellen oder alternativ unbescholtenen Bürgern bis ins Bett nachstellen, um „nur mal auf den Wert der Bibel hinzuweisen“, dann müssen sie sich nicht wundern, ihrer Umgebung lästig zu sein und in der Folge irgendwann von der Bundesregierung gefragt zu werden, ob sie sich nicht vorstellen können Botschafter im Vatikan zu werden.
    Und wenn mir im „geschwätzigen“ Berlin die Tür einfach so vor der Nase zugeschlagen würde, ja dann würde ich vielleicht auch denken, „Hauptsache los von Berlin!“ und Botschafter am heiligen Stuhl werden.

  12. Machen sowas eigentlich die Staatskirchen in Deutschland, oder kann man heute von Haustürmission auf Sekte schließen?

    Etwas sektenhaft – mit großen Führern und Heilsversprechen – erscheint Schavan ja schon öfter mal. Dann ist sie aber nicht nur „unterwegs in Gottes Auftrag“, sondern gleich „als Volk Gottes unterwegs“, ein feiner völkischer Unterschied.
    https://erbloggtes.wordpress.com/2013/07/03/gottesvolk-auf-wandertag-unterwegs-mit-annette-und-wolfgang/

  13. @rancid
    Lustige Geschichte! Einem Huhn, das sich ja strikt an der eigenen inneren Uhr orientiert, wäre das nicht passiert. Aber du bekommst ja sicher einen Nachtarbeitszuschlag als Ausgleich für erlittenes Unbill und eventuelle gesundheitliche Schäden. Übrigens sind die Zeugen Jehovas zur Missionsarbeit verpflichtet zur Erlangung der ewigen Seligkeit und sie sind in ihrer harmlosen Skurrilität schon wieder liebenswert. Eine Schavan als Zeugin Jehovas hätte dem Bildungssystem und dem Steuerzahler vieles erspart.

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