Irre

Erreichte Seinszustände müssen nicht unbedingt bewusst werden. Bei der Kunst wie bei der Droge gilt: Hauptsache sie wirkt. Arne R. jedenfalls reichte jüngst eine Miniatur ein, die wahlweise zur Psychodiagnostik oder zur Zeitdiagnostik geeignet scheint. Agnostik gebietet sie jedenfalls im Hinblick auf den klassischen Geniekult:

In Sachen Zeitdiagnostik ist die Skizze von Arne R. gut assoziiert mit einem gewagten Referat, das Klaus Graf auf dem neulich stattgehabten Historikertag hielt: Unter dem Motto „Qualität wird überschätzt“ forderte Graf „in Sachen quasi-olympischer Forschungs-Bestleistungen Demut und Gelassenheit“. Von „genialen Einfällen“, wie sie der von Arne R. gezeichnete Mittdreißiger erlebt, mag Graf zwar noch nicht ganz lassen. Aber eben dieser Beitrag zum Thema „Irre“ mag zur Radikalisierung seiner Auffassung derart beitragen, dass am Ende vielleicht die demütige Einsicht steht, dass Wissenschaft schon immer ausschließlich aus „unspektakulärem Mühen in der Ebene“ bestand – und all die Genialitäten und Spektabilitäten, das Renommee und die Spitzenforschung etwas ganz Wissenschaftsfremdes sind.

Aber in der Kunst und bei der Droge gilt: Hauptsache sie wirkt.

————————————————————

3 Antworten zu “Irre

  1. martinlindner

    „Und wenn du willst, dann kannst du mal mitkommen in die Klinik. Dann zeig ich dir ’n Irren. Dann zeig ich dir die Irren. Dann kannst du mal sehen. Die Irren sind nämlich irr. Die sind keine Künstler oder Revolutionäre. Die sind einfach irr. Da kann mir kein Laing mit Hirngewixe kommen. Die Irren sind irr. Kannst du gerne besichtigen. Und irr ist null Kunst, null Revolte. Arme Teufel sind die Irren, die ärmsten Teufel, die ich kenne, sind die Irren.“ (Rainald Goetz, Irre, 1984)

  2. Pingback: Umleitung: Irre, Berlin, Historical Consciousness, Lokaljournalismus, Antisemitismus und SPD, Dinslaken-Lohberg und Juicy Lucy | zoom

  3. „Erbloggtes verfolgt keine kommerziellen Interessen, es fällt nicht unter ‚geschäftsmäßige, in der Regel gegen Entgelt angebotene Telemedien‘ (TMG vom 26. Februar 2007 i.d. Fassung vom 31. Mai 2010) und benötigt daher kein Impressum.“

    Das muss man nun lesen. Wenn ich in eine Gesellschaft komme, in welcher man mich noch nicht bzw. erst teilweise kennt, oder mir an der Bar eine fremde Frau zuzwinkert, stelle ich mich vor und sage in etwa: „Guten Tag, sehr erfreut, von Eichenbach, Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach.“ Ich berufe mich nicht auf Gesetze und Verordnungen, um mich aus ganz elementaren Verhaltensregeln herauszuwinden.

    Dieser Kommentar passt zwar nicht an diese Stelle, doch unter „Impressum?“ kann man nichts kommentieren.

    von Eichenbach

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s