Schavans Nachworte zur Apokalypse

Erbloggtes von Causa Schavan:

Die Bundesrepublik Deutschland wird beim Heiligen Stuhl neuerdings durch eine Person vertreten, die “nach dem Verlust von Doktorwürde und Regierungsamt eine besondere Mission in Rom erfüllen” will. So steht es im neuesten großen Annette-Schavan-Beitrag der WELT am SONNTAG. Als römische Glaubenskongregation in eigener Sache geht diese Botschafterin nämlich mit glühendem Eifer der besonderen Mission nach, weiterhin von ihrer heiligmäßigen Unschuld zu künden. Vom erlittenen Martyrium. Und nebenher auch von ihrer unvermindert anhaltenden Wichtigkeit. In Leserkreisen der BUNTEN und der WELT am SONNTAG wird es gewiss auf Interesse stoßen, dass Ihre Exzellenz in ihrem ganzen Leben noch niemals getäuscht hat, und zwar ganz genau niemanden niemals nicht. Ferner: Dass sie künftig auf einem roten Motorroller durch Rom zu kurven gedenkt.

Weiterlesen… noch 882 Wörter.

Nicht nur die süffisante Rekapitulation der jüngeren Schavan-(Hof-)Berichterstattung ist erkenntnisträchtig an jenem Artikel. Auch die Bebilderung ist ausgesprochen eindrucksstark. Und so entzünden sich die ebenfalls amüsanten Kommentare auch vorwiegend an den Bildern. Beklagenswert ist allerdings, dass die Boulevardpresse erfolgreich Themen wie Damenbekleidung und Duschvorhänge in den Mittelpunkt rückt, und dieser Schritt von Qualitätsblogs mitgegangen wird.

Aber schließlich rückte ein Kommentator doch noch den Fokus auf einen interessanten Aspekt, der zunächst im Dunkeln geblieben war: „rekelieser“ waren nämlich Bilddetails aufgefallen, die Causa-Schavan-Grafikerin Mandy dann nochmal mit reizvollem Ausschnitt präsentierte:

Bildaussschnitt von Causa Schavan

In der Tat wirft das die Frage auf, wer denn der Herr ganz rechts ist, der offenbar der damaligen Absolventin und heutigen Abiturientin Annette Schavan ein högschdwichdiges Blatt Papier überreicht. Sachdienliche Hinweise werden gern in den Kommentaren entgegengenommen. Die Bildkomposition erinnert deutlich an die auch heute noch in Düsseldorf übliche Übergabe von Abschlusszeugnissen, hier ein Bild aus dem Sommersemester 2014, die Absolventin verpixelt, die kann nun wirklich nichts dafür, dass sie hier grafisch mit Schavan verglichen wird:

Absolventenfeier HHU 2014

Absolventenfeier an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf 2014

Wenn es sich oben tatsächlich um Annette Schavans Absolventenfeier handelt, dann ist seit 1980 manches gleich geblieben an der Universität Düsseldorf. Der Herr im dunklen Anzug dürfte dann in beiden Fällen der Dekan sein.

Ungereimte Scherze

Die Recherche nach der diesjährigen Absolventenfeier hat noch ein Fundstück erbracht, zu dessen Interpretation alle Leserinnen und Leser mit eingeladen sind: Das Medienlabor der Uni Düsseldorf hat mit einem Videobericht von der Feier berichtet, die am 14. Juli 2014 stattfand, am Tag nach dem Fußball-WM-Finale. In Anspielung darauf ist Dekan Bruno Bleckmann zu hören, wie er ab Zählzeit 2:06 sagt:

„Statt einer runden Pokalkugel mit Fuß erhalten Sie ein echtes Zeugnis – mit meiner Unterschrift [Publikum lacht] –, das darüber hinaus auch noch berufsqualifizierend ist.“

Etwas irritierend ist Bleckmanns Betonung des Sachverhalts, dass „ein echtes Zeugnis“ mit seiner Unterschrift versehen sei. Er ist der Dekan. Irgendwer muss ja befugt sein, Zeugnisse per Unterschrift gültig zu machen. Die Irritation steigert sich durch die beim echten Zeugnis ansetzenden und nach der Unterschrift kulminierenden Lacher des Publikums, insbesondere der ersten Sitzreihe:

Entweder Rektor Piper, Prodekan Rohrbacher und andere wohlinformierte Fakultäts- und Universitätsobere haben einfach ein ausgelassenes Naturell, so dass ihnen nach angespannten Dienstjahren voll unerfreulicher Auseinandersetzungen mit Politik und Presse auch ein kaum erkennbarer Witz zu größerer Fröhlichkeit genügt. Oder es handelt sich um einen Insidergag. Wenn dem so ist, dann darf man wohl darüber spekulieren, welche Rolle falsche Zeugnisse – oder Zeugnisse ohne die Unterschrift des Dekans – in der Geschichte dieser Fakultät spielen.

Man kann sogar spekulieren, dass hier auf einen Vorfall im Zusammenhang mit der Causa Schavan angespielt wird: Denn erstens gelten Bleckmann, Rohrbacher und Piper den Schavanisten wohl als Hauptschuldige am Doktorentzug der Ministerin. Piper musste – auch deshalb – seinen Rektorenhut nehmen. Es ist anzunehmen, dass sie in der Affäre, für deren Durchstehen der Rektor die Fakultätsleitenden an jenem Tag auszeichnete, so viel zusammengearbeitet haben, dass geteiltes Insiderwissen entstehen konnte. Das Lachen an anderen Orten des Saals wirkt, wenn überhaupt, weniger frenetisch, eher wie ein höfliches Mitlachen, wenn man den eigentlichen Witz nicht verstanden hat.

Zweitens weist Bleckmann am Ende seines zitierten Satzes darauf hin, dass die überreichten Zeugnisse berufsqualifizierend seien. Das stimmt zwar bei einigen der verliehenen Bachelor-Abschlüsse bloß theoretisch, lässt sich aber unschwer als Anspielung auf den Fall Schavan identifizieren, der bekanntlich einen Teil seines symbolischen Gewichts daraus bezog, dass Schavan nach Aberkennung des Doktorgrades als Abiturientin ohne jeglichen Berufsabschluss dastand, aber dennoch für Jobs wie im diplomatischen Dienst oder – neuerdings wieder – Vorlesungen in Betracht gezogen wurde.

Diese Überlegungen bauen – zugegeben – auf wilde Spekulationen und unwillkürliche Lacher. Aber angesichts so vielversprechend heikler Möglichkeiten im Umfeld der Affäre Schavan darf man doch sicher hoffen, dass da mal ein Qualitätsjournalist nachrecherchiert – oder? Das könnte auch die Umstände nochmal neu beleuchten, unter denen die unschuldige Annette 1980 promoviert wurde. Denn dass sie plagiiert hat, heißt ja noch nicht, dass davon damals niemand wusste.

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8 Antworten zu “Schavans Nachworte zur Apokalypse

  1. Ich finde es unprofessionell, erst von Bilddetails zu schreiben, „die Causa-Schavan-Grafikerin Mandy dann nochmal mit reizvollem Ausschnitt präsentierte“, als Bild dann aber etwas ganz anderes zu zeigen. Deshalb hier das richtige Bild zum Text:

    P.S. Ich habe meine Vespa umlackieren lassen, weil ich nicht immer verwechselt werden will.

  2. Rapp Gerhard

    Der Dekan damals hieß Peter Hüttenberger. Hilft das weiter?

  3. Danke, vermutlich hilft das, ich weiß nur noch nicht, wohin. Wikipedia weiß, dass Hüttenberger bis 1980 Dekan war, dann Rektor der HHU wurde. Von der Rektoratsübergabe am 21.1.1981 gibt es ein Foto. Demnach würde ich beschwören, dass Hüttenberger nicht der Herr ist, der Schavan auf dem Bild oben ein Blatt überreicht. Vielleicht hat die Zeugnis-Übergabe aber auch Hüttenbergers Dekansnachfolger übernommen?

  4. reudiger hund

    diese interpretation der lacher halte ich ja für überdehnt. interessanter ist da schon das doktordiplom (sicher ein fake) und das foto von der feierlichen überreichung der urkunde. es gibt nämlich wohl kaum alte fotos von AS. eine bildsuche bei google bringt keinen treffer. also auch ein fake? wahrscheinlich nicht, aber vielleicht eine andere szene: direktor überreicht abizeugnis, oder AS wird im cusanuswerk zur mitarbeiterin des jahres gewählt. denn der herr rechts scheint doch einfach ein unbekannter zu sein, und ein foto von der dr.-verleihung hätten die medien doch längst hundertfach gebracht.
    andere Idee: es ist gar nicht AS. das finde ich sogar die wahrscheinlichste lösung.

  5. Ja, dass da ein Schuldirektor ein Abizeugnis überreicht, hatte ich auch überlegt – dann aber verworfen. Mir ist es jedenfalls nicht erinnerlich, dass damals jede/r Schüler/in in einer feierlichen Zeremonie mit Blitzlichtgewitter (und diesen dann ausgebrannten Blitzmodulen) die Hochschulreife bescheinigt bekam. Deshalb halte ich es für einen außergewöhnlicheren Anlass. Führerschein scheidet also auch aus. Die Übergabe einer Petition an den Papst ist es auch nicht. Aber es gibt gewiss mehr Optionen, was da zu sehen sein könnte.

  6. Wir ermitteln in alle Richtungen. Mandy von der Grafik wühlt sich schon seit Stunden durch sämtliche verstaubten Fotokisten auf dem Dachspeicher unseres Redaktionsgebäudes. Hin und wieder stößt sie dabei spitze Schreie aus. Entweder Totfunde aus dem tierischen Bereich oder schavanhistorisch Aufschlussreiches.

  7. Eindeutig Schavan und Professor Wehle, der war aber nicht Dekan. Es hat damals nach meiner Erinnerung auch gar keine Promotionsfeiern gegeben.

  8. Oh, interessant! Ich würde aber darauf beharren, dass der Herr rechts (Wehle) der Dame links (Schavan) da nicht das Titelblatt ihrer Doktorarbeit zur Überarbeitung zurückgibt, oder die Speisekarte weiterreicht, sondern dass es schon eine Art fröhliche Urkundenverleihung sein dürfte, die da fotografiert wurde. Aber dass der Doktorvater feierlich die Promotionsurkunde überreicht, kann ja irgendwie nicht sein, zumal wenn es gar keine Promotionsfeiern gab.

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