Ursula von der Leyens Doktor nicht entzogen

Erwartetes Ergebnis der Untersuchung von Ursula von der Leyens Doktorarbeit konnte zweierlei sein:

Entweder, die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), die von der Leyen 1991 den Dr. med. verliehen hatte, konnte Ausflüchte suchen, dass das lange her sei, dass medizinische Promotionen keinen wissenschaftlichen Standards genügen müssten oder die „eigentliche“ Promotionsleistung nicht in der Dissertation zu finden wäre, dass von der Leyen eine angesehene Wissenschaftlerin wäre oder eine beeindruckende Lebensleistung zu Buche stünde, dass die Betreuung und Prüfung der Promotion sehr schlecht gewesen sei und die Geprüfte das nicht zu verantworten habe, und dergleichen mehr. Oder, die Kommission „Gute Wissenschaftliche Praxis“ (GWP-Kommission) der MHH konnte Sachverhalte untersuchen, die einen Entzug des Doktorgrades rechtfertigen würden, und diese Rechtfertigung auf Stichhaltigkeit prüfen.

Der Senat der MHH musste dann in seiner heutigen Sitzung diese Prüfung nachvollziehen und eigenständig zu einer Beurteilung kommen. Den Senat überzeugten nun die Gründe nicht, die für eine Doktor-Entziehung sprachen, also beschloss der MHH-Senat heute, von der Leyens Doktor nicht zu entziehen, wie MHH-Präsident Christopher Baum zusammen mit Ombudsperson Thomas Werfel soeben auf einer Pressekonferenz mitteilte. Insbesondere verneinte die MHH eine Täuschungsabsicht.

Zuvor hatte es Hoffnung gemacht, dass die MHH zumindest Bereitschaft demonstrierte, die Schritte zu gehen, die die Entscheidung für eine Doktor-Entziehung erst ermöglichten. Auf der Ebene der öffentlich nachprüfbaren Kriterien für eine Doktor-Entziehung hatte Gerhard Dannemann schon im Herbst 2015 festgestellt, dass von der Leyens Promotion alle Kriterien erfüllte, die von Gerichten zur Bestätigung von früheren Doktorentziehungen wegen Täuschung verlangt worden waren.[1]

Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Nannt, vertröstete in der Bundespressekonferenz auf die 18-Uhr-Pressekonferenz, das Verfahren sei nicht abgeschlossen, daher gebe es noch keine Stellungnahme. Regierungssprecher Seibert bekundete allerdings bereits, dass von der Leyen selbstverständlich Vertrauen Merkels genieße und eine hervorragende Ministerin sei:

Dennoch hätte von der Leyen nach offiziell attestiertem Promotionsbetrug nicht oberste Dienstherrin zahlreicher Wissenschaftler bleiben können, die an den Bundeswehrhochschulen arbeiten.

Von der Leyen verschafft sich derweil durch eine USA-Reise etwas Zeit und Abstand von der Hauptstadtpresse, um zu überprüfen, wie es weitergeht. Entsprechend weilte Annette Schavan 2013 bei der Entziehung ihres Doktorgrades in Begleitung von Wissenschaftsfunktionären in Afrika.

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Eine Antwort zu “Ursula von der Leyens Doktor nicht entzogen

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