Archiv der Kategorie: Erzürntes

Negatives

Hat jeder zweite Professor seine Doktorarbeit plagiiert?

Erschienenes war kürzlich die neueste Ausgabe des Jahrbuchs der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft (IBG), „Kodex“, herausgegeben von Christine Haug und Vincent Kaufmann, betitelt „Das Plagiat“. Das Jahrbuch, mit dem sich Simone G. bereits sehr lesenswert befasst hat, basiert ausweislich des Vorworts (S. VIIf.) auf zwei Veranstaltungen: Bei der 14. Jahrestagung der IBG, die im November 2013 in St. Gallen stattfand, ging es um „Autorschaft und Literatur“, um „Plagiat und geistiges Eigentum“, sowie um „Konfliktlinien zwischen Autorschaft, Recht und Wirtschaftsinteressen“. Ein Arbeitsgespräch im Studiengang Buchwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) im Januar 2014 trug den Titel „Echt oder falsch/legal oder illegal – zwischen Reproduktion, Fälschung und Plagiat“. Weiterlesen

Sexualkunde für Hassprediger III

Erreichte Sexualpädagogik nicht häufig das Interesse einer breiten Öffentlichkeit, so ist 2014 zum Jahr der öffentlichen Debatte über die Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland geworden. Anhand der Debatte lässt sich konkret zeigen, wie von interessierten Kreisen verbreitete Falschinformationen in Massenmedien und zu breiten Rezipientenkreisen gelangen. Da es sich nicht um Falschinformationen von staatlichen Stellen, von großen Wirtschaftsvertretern, und auch nicht von allgemein anerkannten gesellschaftlichen Kräften wie Gewerkschaftsverbänden oder Amtskirchen handelt, lässt sich dieser Vorgang als Propaganda von unten bezeichnen. Sie baut auf Angst, Phantasie und die fehlende Bereitschaft, nachprüfbare Behauptungen nachzuprüfen.

Angefangen hat das Ganze, als im November 2013 eine Petition „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ forderte Weiterlesen

Sexualkunde für Hassprediger II

Erübrigt es sich, auf einzelne Exemplare in der Wiederholung der gleichen Ressentiments einzugehen, die hier vor einer Woche anhand von Texten von Roland Tichy und Antje Schmelzer als Sexualkunde für Hassprediger diskutiert wurden? Wer das bejaht, darf gleich zum letzten Abschnitt springen. Die Kampagne gegen moderne Sexualaufklärung nimmt ihren Lauf, und wo Hassprediger über Sexualkunde wettern, darf ein Fleischhauer nicht abseits stehen:

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Annette Scharlatans Nutzenkalkül

Erlerntes bleibt länger im Gedächtnis, wenn man es mit anschaulichen, lebensnahen Beispielen verankert. Das weiß auch der Düsseldorfer VWL-Professor Justus Haucap, weshalb er seine Prüflinge im Wintersemester 2011/2012 nach Partys und Urlaubsreisen des „Bundesprominente[n] Chris Fox und seine[r] neue[n] Frau Betty“ fragte. Auf dem Höhepunkt der Wulff-Affäre waren diese Klausurfragen ein gefundenes Fressen für zahlreiche Medien bis hin zur FAZ. Kurz darauf trat Wulff zurück. Die Kommentarspalten-Ökonomen stritten sich weiter um die Lösung. Weiterlesen

Griff nach der Westmacht

Erweist es sich als plausibel, dass in ein und demselben Zeitungsartikel konträre Perspektiven zum Ausdruck kommen? Wahrscheinlich muss man es als die große journalistische Kunst verstehen, dass Journalisten bloße Leinwände seien, auf die verschiedenene in einer Gesellschaft vertretene Perspektiven sich projizieren können – oder auch nicht. Je nachdem, wie eng sie vernetzwerkelt sind mit diesen Journalisten. Doch zur Projektion später mehr. Zuerst eine Skizze der „westlichen“ Außenpolitik von Bernd Ulrich, Politikchef von „Die Zeit“ Weiterlesen

Kurzmitteilung

Erleichtert es die vielgeplagte Düsseldorfer Universität, dass sie sich nun die Vorarbeit für die „Netzwerktagung“ der Alexander von Humboldt-Stiftung im November 2015 sparen kann? Geplant war diese Tagung, die in erster Linie der Einführung der neu eingetroffenen ausländischen Stipendiaten der … Weiterlesen

Schavan-Gutachter: Gekündigt wegen Unanständigkeit

Erstaunt es nach dem Ränkespiel der Allianz der Wissenschaftsorganisationen im Fall Schavan, wenn der damalige Düsseldorfer Prodekan nun mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nichts mehr zu tun haben will? In einem Nachtrag zu ihrem lesenswerten Artikel über den Einsatz des Berliner Ex-Senators Jürgen Zöllner für Schavan („der einzige Politiker jenseits der Union, von dem eine solche Intervention bekannt ist“) erwähnte Anja Kühne jüngst, dass Stefan Rohrbacher der DFG per Mail seine weitere Mitwirkung in deren Begutachtungsverfahren aufgekündigt hat Weiterlesen

Causa Schavan: Bericht des Dekans der Philosophischen Fakultät der HHU an den Senat

Erschütterte schon die eine oder andere Neuigkeit aus den ersten Teilen der Artikelserie #schavangate, die seit dem 15. Juli auf Causa Schavan erschien, die Leser, so entfaltet sich nun das eigentliche Entsetzen, nicht etwa wenn man alle Schavangate-Berichte im Zusammenhang liest, sondern vollständig erst bei der Lektüre des Dokuments aus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, überschrieben „Bericht des Dekans der Philosophischen Fakultät der HHU an den Senat“, das Causa Schavan Weiterlesen

Peter Gruss, bisher wenig beachteter Top-Schavanist

Erfahrene Schavanisten wissen zu jedem Zeitpunkt wie von selbst – oder wie an einer Schnur gezogen – welche Argumente sie vorzubringen haben. Offenbar entspringt das der Überzeugung, dass die Wiederholung von Behauptungen durch zahlreiche hochbezahlte und einflussreiche Menschen eben diese Behauptungen wahr mache. Insofern ähnelt der Schavanismus deutlich einer Religion, in der die Wahrheit der Glaubensinhalte nur durch das Bekenntnis hochrangiger Würdenträger zu ihnen bekräftigt wird, ohne dass andere Wege der Wahrheitsfindung in Betracht gezogen werden. Weiterlesen

Die drei Muskeltiere und der Lockruf des Goldes

Erschüttert es das Wissenschaftssystem in Deutschland, wenn nun nach und nach ans Licht kommt, wie die Spitzenvertreter dieses Systems in der Schavan-Affäre im Verborgenen ihre Muskeln spielen ließen? Man darf gespannt sein, wie Anja Kühne im Tagesspiegel hoffnungsvoll formuliert:

„Doch auf Vertraulichkeit hat die vielfach von Wissenschaftsmanagern öffentlich ins Unrecht gesetzte Uni offenbar keine Lust mehr, seit sie am 20. März vom Verwaltungsgericht Düsseldorf auf ganzer Linie recht bekam.“

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