Schlagwort-Archive: Medien

Sexualkunde für Hassprediger III

Erreichte Sexualpädagogik nicht häufig das Interesse einer breiten Öffentlichkeit, so ist 2014 zum Jahr der öffentlichen Debatte über die Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland geworden. Anhand der Debatte lässt sich konkret zeigen, wie von interessierten Kreisen verbreitete Falschinformationen in Massenmedien und zu breiten Rezipientenkreisen gelangen. Da es sich nicht um Falschinformationen von staatlichen Stellen, von großen Wirtschaftsvertretern, und auch nicht von allgemein anerkannten gesellschaftlichen Kräften wie Gewerkschaftsverbänden oder Amtskirchen handelt, lässt sich dieser Vorgang als Propaganda von unten bezeichnen. Sie baut auf Angst, Phantasie und die fehlende Bereitschaft, nachprüfbare Behauptungen nachzuprüfen.

Angefangen hat das Ganze, als im November 2013 eine Petition „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ forderte Weiterlesen

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Rassismusbedingung: Rassismusleugnung

Erforschtes in zwei neuerschienenen Sammelbänden* ist der Antisemitismus in der deutschen Presse vom Mittelalter bis heute: „Welche Bedeutung kommt periodisch erscheinenden Medien bei der Verbreitung und Etablierung antisemitischer Einstellungen und Stereotype zu?“[1], fragte 2010 eine Tagung des Instituts für Deutsche Presseforschung und bearbeitete damit ein in der Gegenwart sehr relevantes und in den vergangenen Jahren immer wieder anhand konkreter Einzelfälle öffentlich diskutiertes Thema:

Die Frage, ob es Antisemitismus in den Presseveröffentlichungen von Günter Grass oder Jakob Augstein gibt, Weiterlesen

Die Angst, die Opfer und die Täter

Erarbeitetes ist die zentrale Ware, von deren Verkauf Arbeitskraftbesitzer leben. Wer nichts als die eigene Arbeitskraft besitzt, ist ein Arbeiter. Infolge der Digitalisierung setzen die Produkte geistiger Arbeit fast keinen Verbrauch von Rohstoffen mehr voraus. Der Wert des Produkts ergibt sich zu einem immer größer gewordenen Anteil aus dem Arbeitslohn. Das sind die 99 Prozent. Das bedroht die gesellschaftliche Funktion jener, die bisher ihr Eigentum in den Produktionsprozess investierten, um damit Anteile fremder Arbeitskraft zu erwerben und in der Wertschöpfung einen Anteil für unternehmerischen Gewinn zu etablieren. Wer sich eine Beteiligung an den Erträgen fremder Arbeitskraft sichert, ist ein Eigentümer.

Die Kämpfe des 21. Jahrhunderts sind Kämpfe um den Wert geistiger Arbeit. Weiterlesen

Nach dem Rohrbacher-Gutachten kommt jetzt: Der Rohrbacher-Kommentar

Erübrigt es sich inzwischen, auf ein wesentlich unbeachtet gebliebenes, wiewohl bedeutendes zeitgeschichtliches Großereignis einzugehen, das sich am 25. August 2013 um 17:21 Uhr ereignete? Aufgrund seiner mittelfristigen Bedeutung muss es hier wohl doch noch Erwähnung finden. Zu diesem Zeitpunkt brach nämlich Prof. Dr. Stefan Rohrbacher, Prodekan der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sein bis dahin striktes Schweigen in der Öffentlichkeit zum Fall Schavan. Weiterlesen

Düsseldorfer Plagiatsverfahren: Keine Angst vor Transparenz

Erwiesenes Lernverhalten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist es, mit der Öffentlichkeit nicht mehr über Vermittlung durch die Presse (in Interviews und Ähnlichem) zu kommunizieren, sondern seit der Hochphase der Causa Schavan vorzugsweise selbst als Medium mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Das zeigt sich auch heute wieder. Doch zunächst ist ein Rückblick auf diese Entwicklung erforderlich, mit der die Universität offenbar durch transparente Kommunikation einer Verdrehung ihrer Botschaften vorbeugen will:

Bittere Erfahrungen mit Lerneffekt

Als sich die Massenmedien reihenweise weigerten, Weiterlesen

Eigenplagiator Marc Jan Eumann?

Erübrigte sich eine ausgiebige Erörterung des Plagiatsverdachtsfalles Marc Jan Eumann dankenswerterweise durch die ausführliche und multiperspektivische Analyse „Wider die Eigen-Plagiate-Hatz“ von Klaus Graf, so lassen sich hier nur einige Anmerkungen zu verschiedenen Aspekten ergänzen:

Grafs generelle Erwägungen sind deutlich angemessener als die vielfach konkret interessierten Erscheinungen von Eigenplagiatshysterie. In diesem Sinne wurden hier auch im Mai 2012 die Eigenplagiatsvorwürfe im Fall Schavan eher skeptisch kommentiert. Weiterlesen

Was ist ein Whistleblower? Definitionen, Schutzgesetze, Massenmedien

Erzeugt es neue Wortbedeutungen, wenn in der Öffentlichkeit so viel über Whistleblower diskutiert wird wie zur Zeit? Der Begriff ist vielfältig anwendbar, und es besteht ein starkes Spannungsverhältnis zwischen Denotationen und Konnotationen. Wenn Christian Humborg fragt: „Was ist Edward Snowden?“,[1] dann steht nicht nur die konnotative Unterscheidung zwischen Verräter oder Held zur Auswahl, sondern auch die Denotation als Whistleblower in Frage:

„Für die einen ist Edward Snowden ein leaker, oder noch schlimmer, ein Verräter. Für die anderen ist er ein whistleblower, ein Held eben.“[1]

Doch die von Humborg unterstellte Nähe zwischen den Begriffen Whistleblower und Held ist in der Praxis nicht zwangsläufig. Weiterlesen