Schlagwort-Archive: Rezension

Zur Causa Reitzenstein: Wert und Bewertung

Erbloggtes hat neulich die widerstreitenden Behauptungen in einem geschichtswissenschaftlichen Konflikt überprüft.[1] Das Ergebnis war, kurz gesagt, dass die Wissenschaft selbst leidet, wenn ein Gericht zwischen wahr und unwahr entscheiden will. Das gilt besonders dann, wenn eine Partei den Rechtsweg scheut, weil sie an einer juristischen Klärung nicht interessiert ist. Das kann leicht passieren, Weiterlesen

Zur Causa Reitzenstein: Wissenschaft vor Gericht

Erlaubt es die Verteilung von Rezensionsexemplaren an Zeitungen und Fachzeitschriften, dass der Buchautor auch gleich zu bestimmen hat, was in den Rezensionen steht? Der Historiker Julien Reitzenstein scheint dieser Ansicht zu sein, und das Landgericht Hamburg scheint ihm darin zu folgen. Reitzenstein, Autor einer Düsseldorfer Dissertation über das NS-Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung („Himmlers Forscher“, 2014 bei Schöningh, Paderborn, erschienen), fühlte sich offenbar durch folgenden Satz eines Rezensenten in seiner Ehre verletzt: Weiterlesen

Rassismusbedingung: Rassismusleugnung

Erforschtes in zwei neuerschienenen Sammelbänden* ist der Antisemitismus in der deutschen Presse vom Mittelalter bis heute: „Welche Bedeutung kommt periodisch erscheinenden Medien bei der Verbreitung und Etablierung antisemitischer Einstellungen und Stereotype zu?“[1], fragte 2010 eine Tagung des Instituts für Deutsche Presseforschung und bearbeitete damit ein in der Gegenwart sehr relevantes und in den vergangenen Jahren immer wieder anhand konkreter Einzelfälle öffentlich diskutiertes Thema:

Die Frage, ob es Antisemitismus in den Presseveröffentlichungen von Günter Grass oder Jakob Augstein gibt, Weiterlesen

Die Angst, die Opfer und die Täter

Erarbeitetes ist die zentrale Ware, von deren Verkauf Arbeitskraftbesitzer leben. Wer nichts als die eigene Arbeitskraft besitzt, ist ein Arbeiter. Infolge der Digitalisierung setzen die Produkte geistiger Arbeit fast keinen Verbrauch von Rohstoffen mehr voraus. Der Wert des Produkts ergibt sich zu einem immer größer gewordenen Anteil aus dem Arbeitslohn. Das sind die 99 Prozent. Das bedroht die gesellschaftliche Funktion jener, die bisher ihr Eigentum in den Produktionsprozess investierten, um damit Anteile fremder Arbeitskraft zu erwerben und in der Wertschöpfung einen Anteil für unternehmerischen Gewinn zu etablieren. Wer sich eine Beteiligung an den Erträgen fremder Arbeitskraft sichert, ist ein Eigentümer.

Die Kämpfe des 21. Jahrhunderts sind Kämpfe um den Wert geistiger Arbeit. Weiterlesen

Rezension zur „Akte Schavan“

Erbloggtes veröffentlicht bekanntlich zuweilen Gastbeiträge. Heute ist eine Rezension der „Akte Schavan“ an der Reihe, die eine bemerkenswerte Außenansicht auf die Plagiatsdebatte rund um den Fall der Bundesbildungsministerin offenbart. Der Rezensent Bernd Dammann, geboren 1944, studierte 1964—1972 in Münster Soziologie und Germanistik und wurde 1973 in Bremen mit einer Arbeit zur Wissenschaftssoziologie der Geisteswissenschaften promoviert. Anschließend war er als Politikberater, Lehrer und Hochschullehrer tätig, daneben kommunalpolitisch engagiert, und ist inzwischen im Ruhestand. Weiterlesen

Optimierung guter wissenschaftlicher Praxis

Erwiderte Syndikus Walter gekonnt auf das neueste Elaborat von Prof. Dr. Dr. mult. Hein-Schmöke Pufogel, das beanspruchen kann, dem Zensieren im Rezensieren zu voller Geltung verholfen zu haben, dann bietet es sich wohl an, Walters Ausführungen hier als Gastbeitrag aufzunehmen. Der zu lange schon im höheren Dienst mit dem Justiziariat einer Universitätsverwaltung betraute Syndikus setzt sich darin mit der notwendigen Aufrechterhaltung der wissenschaftlichen Disziplinen und den dazu zu Gebote stehenden Mitteln auseinander Weiterlesen

DFG berät über Ende des Rezensionswesens

Erscheint es als Anfang vom Ende des wissenschaftlichen Rezensionswesens in Deutschland, dass die DFG auf ihrer heute beginnenden Jahrestagung eine Regelung beschließen will, die kritische Rezensionen in die Nähe wissenschaftlichen Fehlverhaltens rückt? Eine Rezension entspricht nämlich jener Wendung an die Öffentlichkeit, die die DFG nach Darstellung der am 14. Mai vorausgegangenen HRK-Empfehlungen verbieten will (Erbloggtes berichtete) Weiterlesen