Englische Kommaregeln

Erbloggtes beherrscht die Kommaregeln des Englischen nicht. Als sich Edward Snowden am Moskauer Flughafen Scheremetjewo „mit einem Dutzend Bürgerrechtsaktivisten, unter anderem von Human Rights Watch und Amnesty International, und mit russischen Juristen und Politikern“ traf, ohne dass Reporter zugelassen gewesen wären, nannte tagesschau.de das „öffentlicher Auftritt“.[1] Das Weiße Haus ließ das Treffen vom 12. Juli durch einen Sprecher sogar als „propaganda platform“ bezeichnen,[2] die Russland Snowden nicht geben dürfe. Diese „propaganda platform“ machte offenbar Propaganda nach dem Prinzip der Eimerkette:

Der Kenner wird es längst bemerkt haben: Der Tweet enthielt kein korrekt gesetztes Satzzeichen. Ein Punkt fehlt, und alle vier Kommas sind falsch, wie @PeterMonnerjahn kurz darauf monierte. Das anschließende Gespräch (hier nachlesbar) nahm der Diplom-Übersetzer zum Anlass, die englischen Kommaregeln kurz und bündig zusammenzufassen. Twitter ist das optimale Medium für Kürze, aber nicht so geeignet für die längerfristige Verfügbarkeit eines Zusammenhangs. Das geht besser hier:

Das Englische ist sparsam mit Kommas. Letzlich gibt’s nur ein paar Situationen, wo Kommas nötig sind. Sieben Situationen, kurz gesagt:

Englische Kommaregeln
Grund des Kommas Beispiel
1. Anreden „That’s not true, Tom.“
2. Sogenannte „non-restrictive relative clauses“ „My grandma, who died in 1950, never watched TV.“
3. Sentence modifiers „Unfortunately, he then fell and hit his head on the pavement.“
4. Eigenständige Hauptsätze a) „His wife’s death came as a shock, but he soon recovered and remarried.“
b) „Although the allegations were untrue, her lawyers advised her not to sue.“
5. Abtrennung von „tag questions“ a) „That’s quite expensive, isn’t it?“
b) „That’s cool, right?“
6. Kurze Zitate a) „‘Come back later’, she said.“
b) „He said, ‘It’s the little things that matter’.“
7. Elemente einer Aufzählung „He has worked for Waterstones, Barnes and Noble, and Amazon.“

Monnerjahn, der zur Zeit an einer Dissertation über die Erneuerung der Aufklärung auf Basis eines konsequenten Kritischen Rationalismus arbeitet, hat in Sachen Englischlernen für die Praxis noch mehr auf Lager, aktuell auf seinem Bildungsbasar eine Übersicht über die Systematik der Zeitformen im Englischen, die im Schulunterricht wohl zuweilen ebenso unterbelichtet bleibt wie die Kommasetzung.

Auch wenn Kommas im Englischen seltener nötig sind als im Deutschen, kann durchaus einige Bedeutung in ihnen stecken, wie Alexander Surma bemerkte:

“Let’s eat, grandpa!” vs. “Lets eat grandpa!”

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3 Antworten zu “Englische Kommaregeln

  1. Sehr schön! Mich erstaunt immer, wenn ich in deutschen Texten Kommata vom Typ Nr. 3 finde.

  2. Ich denke, dass man in der Sprach- bzw. Schreibpraxis immer häufiger auf Kommasetzung stoßen kann, die aus einer anderen Sprache stammt. Das ist auch eine Art von Internationalismus. Die deutschen Rechtschreibregeln bilden das in ihrer Starrheit vermutlich schlecht ab. Denn es werden zwar laufend neue Wörter in den Duden aufgenommen, aber außerhalb großer Rechtschreibreformen – soweit ich weiß – keine neuen Kommaregeln.

  3. Danke für die Werbung! 🙂

    Unterbelichtet bleiben englische (und vermutlich jegliche anderen) Zeiten allerdings nicht nur manchmal, sondern fast überall – leider. Wie man sehen kann, wäre es nicht besonders schwierig, Englischlehrern in der Ausbildung etwas Vernünftiges beizubringen – nämlich was für Sinnunterschiede sich ergeben können bzw. was für Möglichkeiten zur differenzierten Ausdrucksweise –, aber da haben wir noch einiges zu tun.

    Und wo wir schon mal so pingelig sind: Im Beispiel von Herrn Surma hätten im zweiten Satz nicht gleich alle strichartigen Zeichen verschwinden müssen, denn auch dort heißt es natürlich „Let’s“. 😉

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