Schlagwort-Archive: Süddeutsche Zeitung

Longreads: Phantasie und Plagiat

Erbaut es das zeitgenössische Publikum, ein „Longread“ zu lesen? Dieses neue Wort findet sich in keinem Wörterbuch, ist aber inzwischen in verschiedenen Varianten (groß, klein, getrennt, zusammen, Singular, Plural, mit Hashtag oder ohne) im englischen wie im deutschen Journalistensprech gebräuchlich. Bezeichnenderweise ist sein bislang einziges Vorkommen im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache die folgende kulturpessimistische Tirade Weiterlesen

Advertisements

Sexualkunde für Hassprediger III

Erreichte Sexualpädagogik nicht häufig das Interesse einer breiten Öffentlichkeit, so ist 2014 zum Jahr der öffentlichen Debatte über die Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland geworden. Anhand der Debatte lässt sich konkret zeigen, wie von interessierten Kreisen verbreitete Falschinformationen in Massenmedien und zu breiten Rezipientenkreisen gelangen. Da es sich nicht um Falschinformationen von staatlichen Stellen, von großen Wirtschaftsvertretern, und auch nicht von allgemein anerkannten gesellschaftlichen Kräften wie Gewerkschaftsverbänden oder Amtskirchen handelt, lässt sich dieser Vorgang als Propaganda von unten bezeichnen. Sie baut auf Angst, Phantasie und die fehlende Bereitschaft, nachprüfbare Behauptungen nachzuprüfen.

Angefangen hat das Ganze, als im November 2013 eine Petition „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ forderte Weiterlesen

Die Wissenschaft antwortet Wolfgang Marquardt

Erübrigt es sich, darauf hinzuweisen, dass Wolfgang Marquardt, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, ein bedeutender Schavanist ist? Früher wurden er und seine Äußerungen zum Thema Wissenschaftsbetrug und Bildungsministerin nicht sehr häufig auf Erbloggtes oder Causa Schavan thematisiert. Nach einem Rückblick auf diese Vorgeschichte Marquardts im Kreise des Schavanismus folgt unten die Schilderung einer brandneuen Entwicklung, in der sich erneut die Aufspaltung des Wissenschaftsbetriebs in Wissenschaftsfunktionäre und Wissenschaftler zeigt Weiterlesen

Der heilige Stuhl von Annette Schavan

Er nennt es einen Kreuzzug, wenn die mühselige und beladene Exministerin Annette Schavan nach Rom pilgert, um dort einen vollkommenen Sündenablass zu erhalten. (Wenigstens bleibt Jerusalem diesmal verschont.) Nach katholischer Lehre ist dafür allerdings noch einiges zu tun: Zwar werden Ablässe heute meist nicht mehr gegen klingende Münze gewährt, stattdessen sind aber innere Voraussetzungen erforderlich, über deren Vorliegen Schavan so unsicher ist, dass sie immer wieder die weisen Wissenschaftsfunktionäre fragt, ob ihre Doktorarbeit und der Umgang mit der Plagiatsaffäre nun eine Todsünde, eine lässliche Sünde oder gar gerechtfertigt war. Nur einer der Päpste kann ihr darauf eine unfehlbare Antwort geben. Die Süddeutsche Zeitung titelt heute Weiterlesen

Wort zum Sonntag: Krieg ist Sicherheit

Erbaute Seelsorger Joachim Gauck das Publikum auf der Münchner Sicherheitskonferenz erfolgreich, als er jüngst bekundete, dass „Deutschland, das beste, das wir kennen“, künftig „selbstverständlich“ ganz vorne mit dabei sein solle, wenn es darum geht, Hilfe bei „Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu leisten? Gegen ein „Recht auf Wegsehen“ forderte Gauck das Recht zum Mitmachen für „Deutschland und seine Verbündeten“. Weiterlesen

Nach dem Rohrbacher-Gutachten kommt jetzt: Der Rohrbacher-Kommentar

Erübrigt es sich inzwischen, auf ein wesentlich unbeachtet gebliebenes, wiewohl bedeutendes zeitgeschichtliches Großereignis einzugehen, das sich am 25. August 2013 um 17:21 Uhr ereignete? Aufgrund seiner mittelfristigen Bedeutung muss es hier wohl doch noch Erwähnung finden. Zu diesem Zeitpunkt brach nämlich Prof. Dr. Stefan Rohrbacher, Prodekan der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sein bis dahin striktes Schweigen in der Öffentlichkeit zum Fall Schavan. Weiterlesen

Die Überflüssigkeit der Qualitätspresse – Fallbeispiele aus Spiegel, SZ und FAS

Erübrigt es sich eigentlich bald ganz, Traditionsmedien zu konsultieren, wie die heute noch euphemistisch „Qualitätsmedien“ genannten journalistischen Verlagsproduktionen dann heißen werden? Liebhaberei und Presseforschung wären die einzigen verbleibenden Gründe, ein Zeitungsabo (auch dieses Wort wird rasch vergessen sein) zu halten. Heute schon sind etwa Verlinkungen auf die Onlineausgaben derartiger Printprodukte häufig überflüssig, wo überhaupt möglich. Das macht das Inkrafttreten des Leistungsschutzrechts (LSR) am 1. August 2013 natürlich weniger schmerzhaft. Die Relevanz der Presse schleicht sich langsam aus. Damit erübrigt sich dann auch die Art alltäglicher Medienkritik, die heute noch nötig scheint: Weiterlesen