Hütchenspiele

Er trägt es hoffentlich mit Fassung, dass er nun der neue „Doktor“ ist, an dem sich das Blog Causa Schavan reibt: Andreas Schubert, Geschäftsführer des Caritas-Verbandes Hannover. Aber für die inzwischen fünfteilige „Hütchenspiele“-Reihe ist Schuberts von Vroniplag untersuchte Dissertation bloß der Rahmen, in dem Simone G. ein buntes Panorama eines europäischen, ach was, weltweit agierenden Doktormühlen-Netzwerks entwirft:

Dass es mal wieder um einen Funktionär einer Vorfeld-Organisation der katholischen Kirche geht, das ist wohl nur Zufall. Aber man kann sich schon fragen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Promotionsbedürfnis katholischer Laien in katholischen Leitungsfunktionen von katholischen Laienorganisationen, ausdrücklich einschließlich der CSU, und ihrem Ausschluss von allen wesentlichen hochangesehenen katholischen Hochwürden. Oder anders gesagt: Um die ewige geistliche Überlegenheit von Don Camillo auszugleichen, nennen die Weltlichen sich heutzutage gern Dr. Peppone.

Als gutkatholischer Dr. Peppone folgt man natürlich nicht nur dem akademischen, sondern auch dem kirchlichen Ehrbarkeitskalender. So hat der Caritas-Verband Hannover rechtzeitig zum hundertsten deutschen Katholikentag eine Pressemeldung herausgegeben, die den Eindruck erwecken soll, dass die Comenius-Universität inzwischen den Plagiatsvorwürfen nachgegangen ist und für Andreas Schubert eine Sauberkeitsbescheinigung ausgestellt hat. Es gibt aber offenbar gar nichts Neues aus Bratislava, sondern nur eine neue Finte aus Hannover. Sogar die sonst so gewitzte Simone G. ist darauf wohl hereingefallen. In einem Kommentar muss deshalb ihr Redaktionskollege Hupe Weißkräcker erklären, was es mit dieser angeblichen Entlastung auf sich hat.

Die Vielfalt der von Simone G. vorgeführten Hütchenspiele demonstriert jedenfalls augenfällig, dass Doktormühlen eine radikal überkonfessionelle und transnationale Einrichtung sind. Und so ist das Schönste, was die Hütchenspiele-Serie bereits produziert hat, eine paneuropäische Verständigung in einer unbedingt lesenswerten Kommentarspalte von Causa Schavan. Dort huldigen die multikulturellen Diskutanten nicht nur der unsichtbaren Universität (universitas magistrorum et scolarium) in einem kosmopolitischen Geist und schulen das hohe Gut der Netzkompetenz an Praxisbeispielen, sie begreifen offenbar auch ihre gesellschaftliche Bildungs-Praxis als Performance und konstruieren, dekonstruieren und rekonstruieren ihre digitale Existenz im Diskurs. Und zwar von ganz oben bis ganz unten.

Auf weitere Fortsetzungen der Saga darf man gespannt sein.

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Eine Antwort zu “Hütchenspiele

  1. Noch bevor ich meinen Doktor gemacht habe, musste ich beim Hütchenspiel vor etlichen Schaulustigen zur Kenntnis nehmen, dass, nachdem ich die Initiative ergriffen hatte, nichts unterm Hütchen war.

    von Eichenbach

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