Weißer Rauch

Erfreutes Aufatmen dürfte nun von interessierten Lesern zu hören sein, die sich hier bisher wegen heller Schrift auf dunklem Grund durch Texte nur quälen konnten. Künftig dürften lediglich Inhalt und Stil der Texte zuweilen zur Qual werden. Keine Qual bedeutet hingegen der weiße Rauch, der gerade von der Universität Düsseldorf aufsteigt:

Das Verfahren zum Entzug des Doktors der Philosophie
von Annette Schavan wurde eröffnet.

Derweil weist Martin Heidingsfelder darauf hin, dass Schavan die plagiierende Arbeitsweise ihrer Dissertation auch anschließend nicht ablegte.[1] Als neuestes Beispiel demonstriert er, dass Schavan in ihrem Sachbuch „Welche Schule wollen wir?“ (2002) behauptete, einen Aufsatz von Wilhelm Flitner (1979) zusammenzufassen. Tatsächlich schrieb sie wörtlich aus einem Aufsatz ihres Doktorvaters Gerhard Wehle (1980) ab, der Flitners Aufsatz referiert hatte.

Der Herder-Verlag, in dem Schavan dies 2002 publizierte, hat übrigens 2011 ein Buch mit dem Titel „Vorerst gescheitert“ herausgebracht.[2] US-amerikanische Studierende setzen gerade ein Hausverbot für den „vorerst Gescheiterten“ an ihren Universitäten durch.[3]

P.S.: Vielen Dank für die Anregungen zur Farbschemaüberarbeitung – und für die zahlreichen Hinweise auf aktuelle Entwicklungen, besonders zum Fall Schavan!

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9 Antworten zu “Weißer Rauch

  1. Ich gebe zu, ich bin auf die Reaktionen gespannt und auch darauf, wie die Uni dieses Verfahren jetzt sozusagen gestalten will. Also wieder Warten.

  2. Und so lautet die Erklärung des Dekans der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf: Sitzung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät. Am 5. Februar geht’s weiter.

  3. Wenn Schavan clever ist, lässt sie nun, solange das Verfahren läuft, ihr Amt einfach ruhen und lässt sich durch ihre Staatssekretäre vertreten.

  4. Ach ja, ich fand das alte Farbschema besser 😉

  5. Danke für das für meine Augen viel angenehmere Farbschema. Mir genügt das Flimmern in der Causa Schavan bereits vollauf. 😉

  6. Hier kann es jetzt nicht mehr schneien 😦

  7. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Frustrierende Karteikästen, eine in ihrer Funktionsweise schwer begreifliche Schreibmaschine und höchst unübersichtliche Verhältnisse aus Über-Ich, Komplexen und inneren Schweinehunden, dazu möglicherweise eine neue leidenschaftliche Liebe – all diese Faktoren ließen das Vorhaben sicher schon zu Beginn riskant erscheinen. Heute, d.h. Jahrzehnte später, wird jedenfalls ohne die Einvernahme von Zeitzeugen ein faires Urteil kaum möglich sein. Insgesamt jedenfalls wünsche ich dem Verfahren den Segen Gottes.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  8. RA Bongartz

    Wenn es verstattet ist, will ich Herrn von Eichenbach hier gern zur Seite treten und meinerseits die Bedeutung einer gründlichen Einvernahme von Zeitzeugen unterstreichen, zumal hier ein Gesichtspunkt zu berücksichtigen ist, der in der gesamten Debatte bislang – was immer die Gründe sein mögen – von niemandem noch ins Spiel gebracht wurde.

    Es griffe nämlich zu kurz, wollte man allein auf die zeitlichen Besonderheiten der Entstehung dieses frühen Erstlings abstellen. 1980! Ja, das ist freilich lang her … Doch eine weitere Dimension gilt es in den Blick zu nehmen. Das Frühstwerk der A.S. entstand nicht nur in urdenklicher Vorzeit, als alles anders war, sondern auch am Rhein, wo alles anders ist. Nicht nur die chronometräre Eigenart, sondern auch die regionale Spezifik in ihrer Typik gilt es zu beachten. Nur ein unabhängiger rheinlandwissenschaftlicher Fachgutachter aber wird wirklich ermessen können, welche Bedeutung das allseitig gute Einvernehmen seit jeher in diesem mit unbekümmertem Frohsinn reich gesegneten Landstrich besaß. Es müssen hier unbedingt also Zeit- und Regionalzeugen einvernommen werden. Vorsorglich will ich auch darauf hinweisen, dass Aussagen einzelner versprengter Exemplare nicht hinreichen werden. Man muss hier schon eine einigermaßen repräsentative Stückzahl erreichen, um überhaupt sicheren Grund zu erreichen. So 2-300 sollten es schon sein. Auch versteht sich, dass die Auswahl der Einzuvernehmenden im Einvernehmen mit A.S. zu erfolgen hat. Dann erst ließe sich überhaupt weiter über die Causa reden.

  9. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    In enger geistiger Verbundenheit mit Herrn Rechtsanwalt Bongartz, den ich hätte eher kennenlernen sollen, erlaube ich mir meinerseits nun eine Ergänzung zum Vorschlag, die Vorladungen an Mitglieder der Dorfgemeinschaft zu adressieren. Ein zutreffendes Bild der damaligen, aus heutiger Sicht nachgerade steinzeitlichen Dissertationsbedingungen wird wohl nur die engste Verwandtschaft der Doktorin zeichnen können. Das Langzeitgedächtnis hochbetagter Zeugen dürfte bei der Gesamtwürdigung von großem Nutzen sein. Als fatal allerdings könnten sich ungenaue Gedächtnisprotokolle erweisen, deren Verfasser nicht mehr befragt werden können; hier bliebe als letzter Ausweg nur die Überarbeitung der Dokumente und deren anschließende – und hoffentlich ausreichende – Vorlage als Kopie.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

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