Optimierung guter wissenschaftlicher Praxis

Erwiderte Syndikus Walter gekonnt auf das neueste Elaborat von Prof. Dr. Dr. mult. Hein-Schmöke Pufogel, das beanspruchen kann, dem Zensieren im Rezensieren zu voller Geltung verholfen zu haben, dann bietet es sich wohl an, Walters Ausführungen hier als Gastbeitrag aufzunehmen. Der zu lange schon im höheren Dienst mit dem Justiziariat einer Universitätsverwaltung betraute Syndikus setzt sich darin mit der notwendigen Aufrechterhaltung der wissenschaftlichen Disziplinen und den dazu zu Gebote stehenden Mitteln auseinander:

Gastbeitrag von Syndikus Walter

Hochverehrter Herr Professor,

Ihre im Grundsatz nicht völlig fernliegenden Überlegungen bedürfen dringend der Ergänzung. Erst die Stählung durch jahrelang erduldete Impertinenzen des akademischen Personals und die wiederholte Übung, derartige Aufsässigkeiten in der Form verbindlich, in der Sache unbeugsam zurückzuweisen, würden Sie in die Lage versetzen, der hier zu verhandelnden Angelegenheit vom Feldherrenhügel der Lenkung wissenschaftlicher Kohorten aus – statt bloß aus dem notwendigerweise beschränkten Blickwinkel des Schützengrabens gelehrter Streitsucht – gewahr zu werden. Größeres steht hier auf dem Spiel als der Schutz angeblichen Geistesadels. Mögen wir an unserer Heimatfront auch des öfteren vorgeben, dass uns die für jeden gesunden Geist völlig unbegreiflichen Empfindlichkeiten dieser in den seltensten Fällen satisfaktionsfähigen Gestalten am Herzen liegen, so gilt dies doch nur, sofern der höhere Zweck, dem zu dienen wir uns verpflichtet haben, dies fordert.

Dieser Zweck ist einem Wort zu fassen: Disziplin. Eine Universität kann nicht ohne Ordnung bestehen. Und wie Ihnen jeder Korporal bestätigen wird, gibt es in keiner Armee Ordnung ohne den Arrest. Um so mehr trauern wir, die Generäle der Gelehrsamkeit, dem Karzer nach, der dem unbotmäßigen Denker schon in jungen Jahren einprägte, daß nur fortkommt, wer nicht fehlt. Eine gewisse Verweichlichung des Geistes ist folglich auch Ihren Anmerkungen, hochverehrter Herr Professor, anzumerken, auch Sie sind wohl nicht mehr zu Studentenzeiten eingefahren.

Folglich erliegen auch Sie noch dem in Ihrer Stellung allerdings verzeihlichen Irrtum, zumindest Professoren dürften in den Grenzen ihres Standes denken, was sie wollen. Diese Auffassung ist irrig und kann zumindest in unseren Kreisen kaum noch als herrschende Meinung gelten. Auch des Professors Aufgabe ist die Arbeit. Über diese Arbeit ist Rapport zu erstatten. Schon dies verhindert gottlob in den meisten Fällen die lästige Angewohnheit des Selbstdenkens. Weiter vorkommende Fälle unerwünschter Geistestätigkeit wären dem Kanzler der jeweiligen Universität auf dem Dienstweg vorzulegen. Rektoren sind hierfür selten tauglich. Zu viele erliegen dem Irrglauben, sie seien für ihre Regentschaft auf das Wohlwollen ihrer Untertanen angewiesen. Sie erliegen dem Trug, tatsächlich innerhalb ihres Sprengels die Regierungsgewalt innezuhaben, wo doch wir es sind, die ihnen die Thronreden schreiben, wie es ja übrigens auch in Britannien gute Übung ist.

Doch sprechen wir nicht weiter über diese Duodezfürsten der Gelehrsamkeit, fragen wir uns vielmehr, welche Einrichtung dem um sich greifenden Rezensionswesens aus der Sicht jener, die die Sache als ganze überblicken, wohl zu geben wäre. Am besten wäre es wohl, an jeder Universität eine geheime Kammer einzurichten, der alle Druckerzeugnisse aus der Feder besoldeter Geisteskrämer vorzulegen wären (denn auszutreiben ist diesem geltungsüchtigen Pack das Schreiben bekanntlich nicht). Sofern ein Verstoß gegen das Dekorum der Gelehrsamkeit festzustellen ist, kann das Gremium eine sofortige Überprüfung der Reisekostenabrechnungen der letzten zwanzig Jahre unter Vorlage aller Originalbelege verlangen. Besonderes Augenmerk ist hierbei – so weiß es jeder Mann der Tat – auf die rechtskonforme Ausweisung des jeweils eingenommenen Frühstücks zu legen. Glauben Sie mir, wir werden der Unbotmäßigkeit der angeblichen Berufsdenker schon Herr werden.

Ich erlaube mir noch den Hinweis, daß Ihre Entgegnung darüber entscheidet, ob ich meinem an Ihrer Universität tätigen Kollegen eine entsprechende Überprüfung Ihres Spesengebarens der letzten zwei Dekaden anempfehlen werde, und schließe mit der Äußerung vorzüglicher Hochachtung.

Mit den besten Empfehlungen

[nach Diktat verreist]

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