Auflösungserscheinungen im Literaturwettbewerb

Erlöste sich die Jury des Schreibwettbewerbs von der Aufgabe, allen regelmäßig chancenlos Teilnehmenden Absagen zuzusenden, so ist zu erwarten, dass auch die Elaborate jener jammervollen Gestalten keiner Lektüre durch die Jury mehr für wert befunden würden. Das wirft die Sinnfrage auf, die sich Arne R. hier eindringlich stellt:

Wenn nichtmal mehr eine Institution, die in der Auswahl des gut Geschriebenen ihren Daseinszweck hatte, zum Lesen alles zur Auswahl Stehenden sich durchringen kann, dann hat der Schreibwettbewerb in etwa das Niveau der Geisteswissenschaften erreicht:

Wo Zeitschriftenaufsätze angeblich im Durchschnitt zehn Leser finden, aber 82 Prozent von ihnen niemals irgendwo zitiert werden, wobei nur 20 Prozent der zitierten Artikel überhaupt gelesen wurden, bevor sie in die Fußnote wanderten,[1] da kann man sich noch daran aufrichten, dass es heißt:

„Half of academic papers are never read by anyone other than their authors, peer reviewers, and journal editors.“[1]

Doch, oh weh, ist der mitschwingende Trost je dreier Leser doch die Angabe, die alle Autoren, Peer Reviewer und Zeitschriftenherausgeber von Amts wegen machen müssen. Und Zweifel sind angebracht bei vielen der gegenwärtigen Publikationen, ob auch nur einer der drei institutionellen Leser seinen Job wirklich gemacht hat. Natürlich kann man nur zweifeln, wenn man sich solche Texte anschaut. Und das vergrößert dann den Leserkreis ja schon in unwahrscheinlicher Weise.

In diesem Sinne vielen Dank an alle drei Leser dieser Zeile.

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