Gute Vorsätze 2013, Teil 5: Sprachen lernen

Erscheint es glaubwürdig, wenn jemand behauptet, eine Sprache in weniger als 24 Stunden gelernt zu haben? Zweifel scheinen angebracht. Doch Joshua Foer behauptet, die lingua franca des Kongo-Beckens, Lingála, in nur 22 Stunden gelernt zu haben, so dass er dorthin reisen und sich mit Menschen vom Stamm der Mbendjele verständigen konnte, die sonst wenig Kontakt zu Auswärtigen haben. Der Kontakt ist so gering, dass in ihrer Sprache das Jenseits und Europa mit dem selben Wort bezeichnet werden.

Doch die ethnologische Forschung über eine der letzten Jäger- und Sammler-Kulturen ist nicht einmal das Interessanteste an Foers Artikel. Sein Bericht über die (erfolgreiche) Methode des Sprachenlernens ist sehr lesenswert. Er stellt dabei die Internetseite Memrise vor, mit deren Hilfe er Lingála gelernt hat. Die Ergebnisse und der Spaß am Einprägen, der über schulisches Vokabel-Pauken weit hinaus geht, sind beeindruckend.

Im Selbstversuch konnte Erbloggtes auf Memrise mit geringem Zeitaufwand lernen, eine chinesische Speisekarte zu lesen. Besondere Gedächtnishindernisse haben sich nicht schwerwiegend ausgewirkt, etwa das, dass dabei eine doppelte Übersetzung Deutsch-Englisch-Mandarin nötig war, oder das, dass man beim Einprägen von fremden Schriftzeichen keine Aussprache lernt, geschweige denn wüsste, wo man mit dem Malen eines chinesischen Schriftzeichens anfangen sollte. Der Kurs „The Guardian Chinese Challenge“ erreicht das versprochene Ziel.

Durch die spezielle Mnemotechnik mit sogenannten Memen (in etwas anderer Bedeutung als üblich) werden auch ein paar generelle Regeln des Chinesischen vermittelt, sowie einige wichtige kulturelle Informationen mit den Begriffen verknüpft. Warum der Jade-König allerdings den Deckel auf dem Reisgericht bildet, das muss weiter ein fernöstliches Mysterium bleiben. Außer jemand kreiert selbst einen Kurs, der solche Themen aufgreift. Der Crowdsourcing-Gedanke entfaltet gerade bei Sprachen, die von vielen verschiedenen Leuten gelernt werden (müssen), eine wunderbare Dynamik. Zu derart „beliebten“ Sprachen gibt es zahlreiche Kursangebote in unterschiedlichem Umfang.

Aber selbst für Tolkiens Elbensprache Quenya gibt es einen Kurs. Jeder sollte zumindest Grundzüge des Elbischen beherrschen, um die Korrektheit der Untertitelung in Der Hobbit und Der Herr der Ringe überprüfen zu können. Sogar Dovahzul, die quasi völlig unbekannte Kunstsprache der Drachen aus dem Computerspiel „The Elder Scrolls V: Skyrim“, kann in rund 500 Worten erlernt werden. Ein überraschendes Desiderat ist hingegen das Klingonische. [Update, 12.1.2013: Es gibt zwei Kurse auf Memrise.] Der Aufbau einiger Kurse wäre eine wichtige Aufgabe für das Klingon Language Institute. Aber wer so Allerweltssprachen wie Arabisch oder Chinesisch lernen möchte, sich auf Prüfungen in englischen oder französischen Sprachtests vorbereitet oder einfach die deutschen Bundespräsidenten, die ja auch immer mehr werden, in der richtigen Reihenfolge aufzählen und auf Abbildungen wiedererkennen will, wird in Memrise das Gesuchte finden.

Die Software ist noch nicht perfekt, aber in den vergangenen Wochen wurden zahlreiche Probleme behoben. Die Vielfalt des Lernbaren ist nicht auf Sprachen begrenzt, entfaltet dort aber besonderen Reiz. Die Plattform ist sehr empfehlenswert, und ihre Weiterentwicklung und intensive Nutzung im Sinne kostenloser Bildungschancen – mit Spaß am Lernen – sehr zu begrüßen.

————————————————————

Advertisements

2 Antworten zu “Gute Vorsätze 2013, Teil 5: Sprachen lernen

  1. Ich hatte den Artikel im November mal angelesen und ihn dann als völlig übertriebene Schleichwerbung für diese Seite abgetan. Ich bin immer noch skeptisch 😉

  2. Sicherlich fehlt Manches, um eine Sprache zu beherrschen, vor allem Sprachpraxis. Aber ich möchte unbedingt mal testen, ob ich nun nach erfolgreich absolviertem Kurs eine chinesische Speisekarte lesen und das Richtige bestellen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s