Jorgo Chatzimarkakis – tritt zurück!

Ersehntes Ergebnis jeder Abgeordneten-Plagiats-Affäre muss der Rücktritt des Plagiators von allen öffentlichen Ämtern sein. Der Grund für diesen Rücktritt sollte Scham sein – Scham darüber, dass man versucht hat, sämtliche Wähler (und auch Nichtwähler) über die eigenen geistigen Fähigkeiten zu täuschen, und dass das schließlich ans Licht gekommen ist.

Wenn einem Politiker dies nicht als Rücktrittsgrund reicht, dann muss die Zivilgesellschaft andere Wege finden, ihren gerechten Anspruch darauf durchzusetzen, nicht von offensichtlichen Lügnern und Betrügern regiert zu werden. Und wenn es Parteien nicht gelingt, die Betrüger in ihren Reihen zum Rücktritt zu bewegen, dann kann man als Bürger diese Parteien eben nicht mehr wählen – das hält die Politiker, denen Betrug und Hochstapelei gleichgültig sind, wenigstens in Zukunft aus den Parlamenten fern. So verfährt man ja auch mit Politikern, denen Menschenrechte, Rechtsstaat und Demokratie (zumindest) egal sind.

Georgios Chatzimarkakis – Doktorentzug mit Ansage

Chatzimarkakis muss sein Abgeordnetenmandat aufgeben. Noch heute. Direkt nachdem er die Entscheidung der Uni Bonn erfährt, ihm den Doktorgrad zu entziehen. Nur so kann er für seine Partei den Anschein wahren, nicht ausschließlich aus Lügnern, Betrügern und Helfershelfern zu bestehen. Unterstützen Sie diese Forderung mit der Unterstützung der Online-Petition Offener Brief zur Causa Jorgo Chatzimarkakis von Jan Rosenow aus Oxford! Oder ergänzen Sie ebendort das erste Contra-Argument, warum Chatzimarkakis nicht zurücktreten sollte!

Es reicht nicht aus, dass Chatzimarkakis sich nun – nach Silvana Koch-Mehrin – auch aus dem EU-Parlamentsauschuss für Industrie, Forschung und Energie zurückgezogen hat.[1] Nicht nur Oxford leidet,[2] sondern auch das EU-Parlament.

Dreistigkeit siegt?

Wer als Politiker behauptet, man habe ihn ja nicht wegen des Doktorgrades gewählt, daher müsse er nicht zurücktreten, der ist als Mandats- und Amtsträger ungeeignet. Aber er kann gerne die Chance erhalten, dies nochmal schwarz auf weiß zu erfahren, indem er nach seinem Rücktritt versucht, bei der nächsten Wahl ohne seinen erschlichenen Titel die begehrten Pfründe zu ergattern. Wie man Promotionsbetrug wohl im Wahlkampf unter einem gelben Sonnenschirm erklärt? Da kann man’s ja nochmal mit dem abgeschriebenen Diktat in der Grundschule versuchen, oder mit der „Oxforder“ Zitierweise – es hört ja ohnehin keiner zu.

Kommt man als Politiker mit stetem Leugnen und wildem Um-sich-Schlagen wirklich weiter als mit ehrlichem Bekenntnis zur eigenen Tat und mit dem Versuch (oder zumindest der Vortäuschung) einer Läuterung, wie es Uwe Brinkmann probiert?[3] Chatzimarkakis versucht es immer weiter:

„Jorgo Chatzimarkakis (FDP) sieht sich nach wie vor ungerecht behandelt. In der ARD-Sendung ‚Anne Will‘ beklagte er sich Anfang Juli über die ‚mediale Vorverurteilung‘ und sah sich als Opfer einer virtuellen Menschenjagd. Dem Magazin ‚Focus‘ sagte er, die Ehrverletzung, die ihm seit Wochen angetan werde, könne nicht zurückgeholt werden.“[4]

Ob dumm oder dreist, Chatzimarkakis, tritt zurück!

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9 Antworten zu “Jorgo Chatzimarkakis – tritt zurück!

  1. Unabhängig vom Inhalt scheint mir die Vokativform von ‚treten‘ in der ‚Du‘-Form zu heißen: Trete zurück!, in der ‚Sie‘-Form: Treten Sie zurück! „Chatzimarkakis – tritt zurück!“ klingt da eher missverständlich als ‚breaking news‘ -Meldung. So habe ich denn auch das Zitat auf der Diskussionsseite von GuttenPlag Wiki tatsächlich fehlgedeutet, bis ich das Blog hier las. Inhaltlich kann ich nur zustimmen!

  2. Ich glaube, der Vokativ von Chatzimarkakis könnte in Griechisch „Chatzimarkaki“ oder so ähnlich lauten. In Deutsch heißt er „Chatzimarkakis“.
    „Tritt zurück!“ ist ein Imperativ (siehe hier). Da Chatzimarkakis aufgrund des freien Mandats (§2 EuAbgG) niemand befehlen kann, sein Mandat aufzugeben, muss man alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Die Titanic schlägt beispielsweise vor, sich an Rating-Agenturen zu wenden: „Betrüger-Griechen Chatzimarkakis und Mathiopoulos: Bonität der FDP herabgestuft!“

  3. (…) Er selbst rechnet offenbar mit der Aberkennung seines Titels. Für den Fall kündigte Chatzimarkakis im Gespräch mit der „Saarbrücker Zeitung“ an, Mängel nachzubessern oder, falls das nicht reicht, eine zweite Dissertation zu schreiben: „Ich habe meinem Großvater versprochen, das durchzuziehen, dazu stehe ich.“

    http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,774178,00.html

    Opa Panzerknacker zu seinem Enkel: „Versprich mir, daß du den Geldspeicher vom ollen Duck ausräumst!“

  4. Danke. Hast natürlich recht. Und ‚Vokativ‘ bei Verb war eh falsch. Muss wohl zu viele Nächte wach bei GuttenPlag verbracht haben … 🙂

  5. Da Chatzimarkakis in den nächsten Jahren genug damit zu tun haben wird, seine nächste Doktorarbeit zu verfassen, sollte er sein Mandat aufgeben. Andererseits: Ein Doktorandenstipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung bringt nur 1050 Euro im Monat, ein EU-Mandat weit über 6000.

  6. Illusion-der-Exzellenz

    „Da Chatzimarkakis in den nächsten Jahren genug damit zu tun haben wird, seine nächste Doktorarbeit zu verfassen, sollte er sein Mandat aufgeben. Andererseits: Ein Doktorandenstipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung bringt nur 1050 Euro im Monat, ein EU-Mandat weit über 6000.“

    Er wird wohl bei den 6.000 Öcken bleiben müssen, der arme Mann, denn nur ein Vollidiot würde sich noch einmal als Erstleser für so einen Promovenden hergeben – mal davon ganz angesehen, daß bei externen Promotionen auch noch der Promo-Ausschuß abnicken muß, ist zumindest bei uns so. Es ist doch wohl klar, daß eine zweite Arbeit extrem auf dem Prüfstand stehen würde, und mit ihr auch die Prüfer, das tut sich doch keiner an!
    M.E. zeigt allein die Idee dieses Herrn, mal eben so neu promovieren zu können, obwohl es eine lange Schlange fähigerer Leute gibt, die darauf warten (und häufig trotzdem ohne Dr. bleiben müssen), daß er scheinbar an heftigem Realitätsverlust leidet bzw. die Wirklichkeit etwas verzerrt sieht, wahrscheinlich noch verstärkt durch eine narzißtische Persönlichkeitsstörung – zumindest würde man bei „Normalmenschen“ von sowas ausgehen …
    Übrigens: Graue Schrift auf dunklem Grund hier im Eingabefeld, nicht sehr nutzerfreundlich.

  7. Interessante Überlegungen. Andererseits: Wenn er einen fähigen Ghostwriter engagiert (von seinen Entschädigungen und Vergütungen ist das leicht bezahlbar), sollte es kein Problem sein, einen Prüfer zu finden. (Der kann sich ja das fertige Werk durchlesen, bevor er sich bereit erklärt, die „Betreuung“ zu übernehmen.) Und für eine Promotion muss man nicht Schlange stehen. Ohne zusätzlichen Aufwand (Betreuung, Labor, andere Forschungskosten) nimmt doch jeder Professor gern mehr Doktoranden.
    Sorry, dass Ihnen das Grau-in-Grau Probleme gemacht hat. Ich kann’s leider nicht ändern. Sie vielleicht bei der Kontrasteinstellung Ihres Monitors? (Als Service habe ich mal die Vertipper korrigiert.)

  8. Illusion-der-Exzellenz

    „Und für eine Promotion muss man nicht Schlange stehen. Ohne zusätzlichen Aufwand (Betreuung, Labor, andere Forschungskosten) nimmt doch jeder Professor gern mehr Doktoranden.“

    Es ist ja wohl klar, daß wir hier nicht von einem Fach reden, in dem Laborarbeit, die Durchführung von Messreihen usw. notwendig ist, sondern von einer externen Promotion, und da stehen die Leute durchaus für an. Denn der Promovend leistet dabei mal absolut gar nichts für seinen Betreuer, ganz im Gegenteil macht er ihm nur Arbeit. Da ich selbst externer Promovend bin weiß ich das zumindest für unsere Fakultät auch recht genau. Mein eigener Erstleser bekommt pro Jahr ca. vierzig Anfragen zur Promotionsbetreuung. Mag bei anderen mehr oder weniger sein, weiß ich nicht. Daß in den naturwissenschaftlichen Fächern allerdings jede Menge Arbeitssklaven verheizt werden, ist ja schon lange bekannt, und daß in anderen auch sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern die wiss.Assis mindestens Beiträger usw. zu Veröffentlichungen des Profs sind, oft sogar die ganze Arbeit übernehmen neben dem Rest wozu der Prof keine Lust hat, ist auch hinlänglich bekannt. Davon unterscheidet sich eine externe Promo ganz erheblich, ohne Vitamin B kommen viele Leute nicht an eine solche heran, unabhängig von ihrer Leistung (aber nicht ihres sozialen Netzwerkes). Externe Promos sollten – wenn schon nicht ganz abgeschafft – so doch rein leistungsbezogen zugänglich gemacht werden; unsere P.-Ordnung sieht z.B. keine Mindestnote der vorherigen Qualifikation vor (obwohl es auch Unis geben soll, wo man im Master / Magister mindestens 2.0 haben muß, wobei ich eher für 1.5 wäre + mindestens Nachweis eines Forschungsprojekts + mindestens zwei wiss. Veröffentlichungen – wohlgemerkt nur für die Externen; die Unis sollten für jede gut begründete Ablehnung einen gewissen Betrag erhalten). Allein daran wären dann sicherlich schon viele der CP-Doktoren und viele der anderen Visitenkarten-Akademiker gescheitert.
    Und bevor Sie fragen: Ja, ich würde die Kriterien erfüllen, und nein, ich habe das nicht über Beziehungen ergattert, sondern verdanke das der Tatsache, daß mein Erstleser bereits eine meiner Diplomarbeiten betreut hatte und am Thema interessiert ist.

    „Sorry, dass Ihnen das Grau-in-Grau Probleme gemacht hat. Ich kann’s leider nicht ändern. Sie vielleicht bei der Kontrasteinstellung Ihres Monitors? (Als Service habe ich mal die Vertipper korrigiert.“

    Mein Monitor ist bereits optimal eingestellt, trotzdem besten Dank für den Hinweis. Normalerweise kann man sowas in der entsprechenden CSS-Datei ändern, lassen die sich bei WordPress nicht editieren? Übrigens, gelber Hintergrund mit blauer Schrift, dann klappt’s auch bei Leuten mit Farbwahrnehmungsschwäche. Aber egal, das hier hab ich einem Editor getippt.
    Danke übrigens für den Service und für diesen interessanten Blog.
    MfG

  9. Hmm. Unsere Perspektiven auf externe Promotionen sind etwas unterschiedlich, scheint es. Mein Bild wäre so, dass manche Professoren externe Doktoranden quasi gar nicht betreuen, nur am Ende ein Buch (die Diss.) lesen (oder auch nicht lesen). Dass beispielsweise Häberle Guttenbergs Diss. nicht wirklich gelesen hat, geht daraus hervor, dass Guttenberg von Häberle selbst abgeschrieben hat.
    Ich denke, Professoren haben einen gewissen Gewinn auch aus Doktoranden, die ihnen nicht zuarbeiten. Bei naturwiss. Promotionen hatte ich eher das Problem gesehen, dass man Doktoranden mit Laborplätzen und ähnlichem ausstatten muss (weshalb die Doktoranden-Zahl begrenzt ist).
    Vielleicht hätte es bereits einen positiven Effekt, wenn man die Zahl der gleichzeitigen Betreuungen begrenzen würde. Dann müssten die Professoren auswählen, sich für die Qualität interessieren und an einem zügigen Abschluss interessiert sein. Das hätte möglicherweise schon ähnliche Effekte wie Ihre Vorschläge. (Bei denen weiß ich nicht: sollen die Bedingungen vor Beginn der Diss. erfüllt sein, oder vor Abschluss? Letzteres fände ich interessant; wobei ich nicht weiß, was Sie sich da unter einem Forschungsprojekt anderes vorstellen als das Dissertationsprojekt.)

    Zum Grau in Grau: Die CSS ändern zu dürfen, kostet 30 Dollar pro Jahr. Und man müsste es können. Dies ist das vorgefertigte Coraline-Theme mit einem bestimmten Farbschema. Sorry for the inconvenience.

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