Sich einen Reim machen auf die Causa Schavan

Ergibt es dieselben Platzprobleme wie beim NSU-Prozess oder bei der Hoeneß-Anklage in München, wenn vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf am 20. März 2014 das Schavan-Verfahren in die mündliche Verhandlung geht? Das Verwaltungsgericht hat gegen eine solche Krise vorgesorgt und durch technische Raffinesse garantiert, dass nur echte Holzmedien sich für den Prozess Schavans gegen die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf akkreditieren können, zudem nur solche, die die Modernisierung ihrer Redaktionsräume bisher aus Traditionsverbundenheit aufgeschoben haben:

„Medienvertreter, die an der mündlichen Verhandlung teilnehmen möchten, müssen sich akkreditieren. […] Akkreditierungsgesuche sind nur per Telefax möglich.“[1]
[Hervorhebung im Original]

Auf Nachfrage verwies eine Sprecherin es ins Reich der Legende, dass die Liste der erfolgreich akkreditierten Medienvertreter zeitnah über Bildschirmtext bekanntgegeben werde. Die Rheinische Post wird erwartet, vielleicht auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Tagesspiegel und der Kölner Stadt-Anzeiger. Die Akkreditierungsfrist läuft eine Woche lang und endet am morgigen Freitag, den 14. März 2014, zwölf Uhr mittags.

Falls jemand über ein Faxgerät und zugleich über eine E-Mail-Adresse verfügt und sich als Korrespondentin oder Korrespondent einer namhaften Fachzeitschrift für den Prozess akkreditieren möchte: Die Beauftragung mit der Erbloggtes-Sonderberichterstattung ist noch nicht fest vergeben. Geboten wird ein brachenübliches Honorar von |oo Euro pro tausend Anschläge, vertrauensvolle Zusammenarbeit in einem kritischen Team und publizistischer Zugang zu einem versierten Fachpublikum. Keine Auslagenerstattung. Vorausgesetzt werden Lese- und Schreibkompetenz, sowie Mobilität und Tagesfreizeit am:

Donnerstag, den 20. März 2014, ab 10 Uhr
in Saal III, Zimmer 240, des Verwaltungsgerichts Düsseldorf,
Bastionstraße 39, 40213 Düsseldorf

Korrespondententraining in Klarsicht

Zur Vorbereitung auf die sachliche Argumentationsführung, die an diesem Termin zu erwarten ist, erscheint im Folgenden eine Auseinandersetzung mit dem jüngsten wissenschaftlichen Gutachten eines Experten zur Dissertation von Annette Schavan. Die Aachener Zeitung konnte mit Martin Reim einen emeritierten Professor der Ophthalmologie (von der Zeitung gelegentlich auch Opthalmologie genannt[2]) an der RWTH Aachen gewinnen, den sie als „Doktorvater von vielen Ärzten“ vorstellt. Zu ergänzen wäre, dass der prominente Okulist 1973 der erste Ordinarius seines Fachgebietes dort war, bis zur Emeritierung 1996 die Augenklinik im Uniklinikum leitete und inzwischen über 80 Lenze zählt.

Zur gebotenen Würdigung dieses wissenschaftlichen Pioniers, die die Zeitung versäumt, sei hier zumindest angedeutet, dass unter Reims Ägide Mikrochirurgie und moderne Netzhautoperationen bis nach Aachen vordrangen, worunter man damals Photo- und Laserkoagulationen, Cryo- und Plombentechniken verstand. Vitrektomien durch die pars plana verdankt Aachen ebenso wie Fundusphotographie, Ultraschalluntersuchungen, Fluorezeinangiographie sowie ERG- und VECP-Messungen mit Blitz- und Musterreizen seinem Klarsicht-Experten.[3] Auch um die Bereitstellung des richtigen Augenspülmittels sorgte sich Reim. Ein Wissenschaftlerleben lang tat er Alles für die Erhaltung und Wiederherstellung optimaler Scharfsicht – einen berufeneren Fachgutachter in Sachen Plagiatsvorwurf kann man sich also kaum vorstellen. Auf einer ganzen Zeitungsseite im Rheinischen Format fokussiert er nun seinen und unseren Blick auf das, worauf es ankommt in der Wissenschaft:

  • Martin Reim: „Neue Ideen entstehen nicht im luftleeren Raum“. In: Aachener Zeitung Nr. 42 vom 19. Februar 2014, S. 13.

Der Forscher eröffnet sein Gutachten über die Doktorarbeit von Annette Schavan, die er genau geprüft hat, mit einer Klarstellung von dankenswerter Deutlichkeit:

„Um einen Doktortitel zu erwerben, muss man wissenschaftlich arbeiten.“

Es reicht also nicht, beispielsweise 49 Euro auf den Tisch zu legen, um sich dann etwa „Dr. h.c. of Ministry, RV/USA“ nennen zu dürfen. Annette Schavan jedenfalls hat es nicht gereicht. Ihr ging es nicht darum, den Doktortitel „schnell und legal“ käuflich zu erwerben. Wahre akademische Würden, Titel und Grade sind keine Waren. In der wahren Wissenschaft steuern die jungen Wissenschaftler ihr Schifflein stets im Kielwasser der alten Wissenschaftler. Die Beiträge der Jüngeren sind tatsächlich nichts anderes als eine Bereicherung der Forschung der Älteren, lässt uns der vielfache Doktorvater wissen. Das gilt gerade für Doktorarbeiten.

Entgegen einem verbreiteten Irrtum dient die Doktorarbeit also nicht dem Nachweis der wissenschaftlichen Eigenständigkeit, sondern vielmehr dem Beweis und der Befestigung der Verbundenheit. Professor Reim führt uns hier in ein System der wissenschaftlichen Nachwuchsrekrutierung ein, das streng auf das Prinzip des wechselseitigen Nutzens ausgerichtet ist. Nachdem er die Forschung des Doktorvaters gehörig bereichert hat, darf der geprüfte, für würdig befundene und deshalb promovierte Nachwuchs dann freilich auch auf uneingeschränkten Schutz rechnen, falls es zu irgendwelchen Pöbeleien Außenstehender kommen sollte. In solchem Fall hat die wissenschaftliche Gemeinschaft unweigerlich in der bewährten altrömischen Schildkrötenformation anzutreten:

„Es ist Aufgabe der Fakultäten und ihrer Universitäten, diese Beziehungen zwischen erfahrenen Wissenschaftlern und ihrem besten Nachwuchs, den Doktoranden und Doktorandinnen, gegen Intrigen von innen und Angriffe von außen zu schützen. Um solche Angriffe von außen handelt es sich bei Vorwürfen, die seit einiger Zeit über wissenschaftliche Plagiate in Doktordissertationen bekannt werden.“

Relief römischer Wissenschaftler auf der Trajanssäule, Bukarest, Foto: CristianChirita, CC-BY-SA

Ganz ähnlich – wenn auch militärtaktisch nicht so ausgefeilt – hat ja Heimo Reinitzer,  Präsident der Hamburger Akademie der Wissenschaften, schon im Februar 2013 das unzerreißbare Band akademischer Exzellenz beschworen:

„Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Fakultät wie ein Mann vor Frau Schavan stellt und ruft: Mea culpa, nostra culpa, mea culpa.“[4]

Ad exercitium salamandri! Ach, das hat doch schon ziemlichen Schmiss. Wie würdelos dagegen das Verhalten der Düsseldorfer!

In dieser Welt der Alten Herren und ihrer Schildkrötenlogik kann es sich bei Vorwürfen „über wissenschaftliche Plagiate“ nur um „Angriffe von außen“ handeln, mit denen sinistre außerwissenschaftliche Kräfte versuchen, die „Beziehungen zwischen erfahrenen Wissenschaftlern und ihrem besten Nachwuchs“ zu zerrütten. Was, wenn ein erfahrener Wissenschaftler gar auf den Gedanken käme, es handle sich bei einer Absolventin oder einem Absolventen womöglich nur um seinen vermeintlich besten Nachwuchs? Das goldene Band der Exzellenz, das die Wissenschaft zusammenhält, würde durch solche Zweifel schwer geschädigt. Solcherlei „Vorwürfe“ von Externen aufzuklären, muss die Saat des Zweifels in die großen Geister der Zukunft säen. Gegen solch defätistische Subversion und hässlich Rütteln an den Grundfesten der Gelehrtenrepublik ist ein undurchdringliches Abwehrbollwerk der beste Schutz:

Abwehrstrategien heute: petitio principii

Denn wissenschaftlich wurde ja eine jede Dissertation bereits „vom Doktorvater sowie von einem zweiten Mitglied seiner Fakultät, dem Koreferenten, eingehend geprüft.“ Dabei wurde die wissenschaftliche Wahrheit bereits fixiert, ganz allgemein und ebenso konkret:

„An einem prominenten Beispiel soll gezeigt werden, wie sich die als Plagiate bezeichneten Passagen im Kontext darstellen und welchen Raum sie im Gesamtwerk der Dissertation einnehmen. Es handelt sich um die Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 von Annette Schavan. Ende 2012 wurde ihre Dissertation mit einer anonymen Publikation im Internet als wissenschaftliches Plagiat dargestellt (Schavanplag (http://schavanplag.wordpress.com/, abgerufen am 10. Februar 2013).“ [sic]

Es ist sehr verdienstvoll, dass Professor Reim in wissenschaftlich vorbildlicher Weise das Datum angibt, an dem er von dieser „anonymen Publikation im Internet“ Kenntnis genommen hat. Hätte er das Datum weggelassen, dann wäre vielleicht der Aachener Zeitung der Kontext verloren gegangen, in dem Professor Reim am Tag nach Schavans Rücktritt die Plagiatsvorwürfe auf Schavanplag untersuchte. Der Rücktrittsgrund lautete ja, dass Schavan gegen die Universität Düsseldorf Klage einzureichen beabsichtigte, was mit dem Amt als Bundesbildungsministerin nicht vereinbar sei. Denn kein Plagiat konnte natürlich auch kein Rücktrittsgrund sein.

Für solch eine Klage gegen eine Universität brauchte man sicherlich auch einige fundierte wissenschaftliche Gutachten, die die Sachlage untersuchten. Immer wieder waren hier und dort gutachterliche Stellungnahmen bis hinauf zur Wissenschaft selbst in der Presse zu lesen, die alles in Schavans Dissertation sahen, nur kein Plagiat. Zu diesen Gutachten hat Professor Reim nun zweifellos das ehrbarste, ehrlichste und anrührendste hinzugefügt. Denn seine Vorgänger krankten doch daran, sich in wolkigen Pauschalisierungen zu verlieren, wie es für namhafte Erziehungswissenschaftler und die Wissenschaft selbst typisch ist. Auch bezogen sie sich zuweilen gar nicht auf öffentlich erhobene Plagiatsvorwürfe, sondern auf ein internes Schriftstück des Schavan-Verfahrens, das sie nur pauschal verdammen konnten, weil sie es, wenn sie es konkret diskutiert hätten, ja gesehen haben müssten, und dann wären ihre öffentlichen Gutachten ja offen als Auftragsarbeiten Schavans erkennbar geworden.

Worum es geht

Anders Professor Reim: Ein stets bedauerliches Missgeschick in wissenschaftlichen Gutachten ist es, den Titel des detailliert untersuchten Werkes falsch zu schreiben. Glücklicherweise ist das Professor Reim nicht passiert, er hat bloß im Untertitel „Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernisse heutiger Gewissensbildung“ ein kleines n vergessen, weil man sich ja fragen muss, zu welchen Erfordernissen denn da Studien betrieben wurden.

Es gehe in der Arbeit, resümiert Reim, „also um die Erziehung zu Persönlichkeiten mit hohen moralischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen“, das sind solche Persönlichkeiten, die stets untadelig erscheinen. Und so lautet auch seine zentrale These:

„Das Neue, die Eigenleistung von Schavan, die für eine Promotion erforderliche Prüfungsleistung, besteht darin, dass sie Gedanken aus einschlägigen wissenschaftlichen Schriften mit ihren eigenen Ideen verbindet und zu einem eigenen pädagogischen Konzept zusammenführt, das geeignet erscheint, ein menschliches Gewissen zu entwickeln, das hohen moralischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen entspricht.“

Ganz zentral ist also ein menschliches Gewissen, das hohen moralischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen entspricht. Das ist die Eigenleistung von Schavan, die für eine Promotion erforderliche Prüfungsleistung. Ein menschliches Gewissen, das als Eigenleistung darauf hinweist, dass ein menschliches Gewissen, das hohen moralischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen entspricht, die Eigenleistung von Schavan, die für eine Promotion erforderliche Prüfungsleistung ist. Das Neue, sozusagen. Und wenn man auch nicht sagen kann, dass Schavan ein menschliches Gewissen erst entwickelt hat, so doch eines, in dem sie Gedanken aus einschlägigen wissenschaftlichen Schriften mit ihren eigenen Ideen verband und zu einem eigenen Gewissen zusammenführte, das hohen moralischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen entspricht. Eine beeindruckende Eigenleistung von Schavan, und kein Plagiat, gewissermaßen.

Wissenschaftlich nachgewiesen

Reim untermauert das klassisch okulistisch-phänomenologisch:

„Die Dissertation von Frau Schavan ist gut zu lesen und verständlich. Wenn man die Dissertation unbefangen liest, hat man den Eindruck, dass die Art und Weise, wie die Literatur zitiert wurde, dem wissenschaftlichen Anspruch entspricht, um das Material zu bezeichnen, das für die Bearbeitung der gestellten Aufgabe verwendet wurde.“

Doch damit nicht genug: Innovationsfreudig, wie er sich schon vor 40 Jahren als Chef der Augenklinik zeigte, untersucht Reim nun detailliert die 27 Plagiate, die Schavanplag gefunden habe:

„Im Februar 2013 wurden auf der Internetseite von Schavanplag (s.o.) 27 Plagiate aus der Dissertation von Frau Schavan dokumentiert.“

Später ist von „27 Plagiatsbeispielen“ die Rede, aber das mag daran liegen, dass er sich der Dissertation Schavans nur als „einem prominenten Beispiel“ für Plagiatsvorwürfe widmet. Der Status dieser von Reim untersuchten Stellen scheint auch ihm selbst unklar zu sein. Tatsächlich dokumentiert Schavanplag seit Mai 2012 Plagiate, und im Januar 2013 hatte „Robert Schmidt“ bereits auf 97 Seiten der Dissertation 130 Fragmente gefunden und dokumentiert, die aus 45 verschiedenen Quellen stammten. Vier dieser Quellen werden in keiner Fußnote erwähnt und auch im Literaturverzeichnis nicht genannt. Bei 63 weiteren Fragmenten fehlt eine Nennung der Quelle im Umfeld der Übernahme.[5]

Blinde Freihändigkeit als ophthalmologisches Problem

Mit dieser Zufallsstichprobe oder Beispielauswahl (dazu später mehr) von 27 Stellen aus den 130 damaligen Funden von Schavanplag gelangt Reim zu einem Zwischenfazit:

„In allen Kapiteln weist Schavan in Fußnoten laufend darauf hin, von welchen anderen Autoren oder aus welchen Literaturquellen sie Inhalte für ihre eigene Darstellung verwendet hat. Diese Literaturhinweise haben einige Lücken, die als Plagiat entdeckt wurden. Die aus dem Kontext hervortretende Bedeutung der als Plagiat erscheinenden Worte sowie häufige mit Fußnoten versehene Zitate in der Umgebung lassen den Leser aber meist nicht darüber im Unklaren, wessen Gedankengut diskutiert und weiterentwickelt wurde.“

Es erscheint Reim so, dass jemandes Gedankengut in Schavans Dissertation diskutiert und weiterentwickelt wurde. Tatsächlich hat Schavan vielfach jemandes Gedankengut von einem Dritten übernommen, und zwar ungekennzeichnet. Schavanplag fasste das damals schon so zusammen:

„Als Muster lässt sich erkennen, dass die Verfasserin oft vorgibt, Primärquellen zu rezipieren, während sie tatsächlich mit leichten Abwandlungen aus der Sekundärliteratur abschreibt.“[5]

Bei „Blindzitaten“ oder „freihändigen Zitaten“ stellte Schavan es etwa so dar, dass sie Freud rezipiert habe. Tatsächlich hat sie nachweislich auf Sekundärliteratur (z.B. von Laplanche/Pontalis) zurückgegriffen, diese aber verschwiegen. Die Rezeptionsleistung der Sekundärwerke plagiierte Schavan auf diesem Wege natürlich. Dieses Problem verkennt Reim offenbar auch deshalb, weil er keine Vorstellung davon hat, was es heute alles als „digitalisierte Werke“ gibt:

„Weiterhin sind Plagiatsvorwürfe zurückzuweisen, wenn sich die Autorin dieser Dissertation auf frühere Erstautoren berufen hat als Schavanplag, dem ja nur digitalisierte Werke zur Verfügung standen.“

Womöglich nimmt er an, seit der Jahrtausendwende würden Bücher digital veröffentlicht – und was älter ist, das sei ja nur analog verkauft worden. So gesehen ist dann vielleicht doch Annette Schavan das Plagiatsopfer, denn deren Dissertation erschien ja 1980. Sie stand also gar nicht als digitalisiertes Werk zur Verfügung, oder?

Einer Feststellung Reims ist in diesem Zusammenhang natürlich völlig zuzustimmen:

„Schließlich findet man bei etlichen als Plagiat bezeichneten Textstellen gute Paraphrasen, welche die Inhalte älterer Texte besser verständlich und kürzer wiedergeben.“

Nur stammt die gute Paraphrase (z.B. Sigmund Freuds) dann nicht von Schavan, sondern von einem Autor, der sich mit der Vorlage direkt auseinandergesetzt hat (z.B. Nowak).

Dass Reim nicht einfach schavanistische Propaganda zu verfassen gedachte, sondern seine Untersuchung ehrlich meinte, zeigt sich daran, dass er auch belastendes Material nicht verschweigt, wenn auch nur in Einzelfällen:

„Einmal war eine Paraphrase eher als Plagiat zu bewerten.
Einmal wurde ein Plagiat markiert, das allein stand, ohne jegliche Zitation in der Umgebung.“

Er kommt dann zu dem Schluss, dass Computer keine Plagiate analysieren können. Dem ist zuzustimmen. Es gibt niemanden, der ernsthaft etwas anderes behauptet.

Den entscheidenden Doppelpunkt hat sich Professor Reim aber für den Schluss aufgespart, wissend, dass er das Papierpostille lesende Publikum damit jedenfalls auf seine Seite zieht. Schavanplag ist unseriös, denn:

„Nirgendwo in der Dokumentation findet man Hinweise auf Autoren und deren Anschriften. Es gibt auch kein Impressum und keine Homepage. Die Anonymität widerspricht dem wissenschaftlichen Anspruch und dem Verhaltenskodex in einer zivilisierten Gesellschaft.“

Doch Schavanplag verhält sich nicht nur unzivilisiert, sondern arbeitet nach Reim auch vollkommen „unwissenschaftlich, weil die Untersuchungsmethoden nicht beschrieben […] wurden.“

Nun ließe sich vielleicht einwenden, dass Professor Reim seinerseits über die eigene Methode, die ihn zu den vorgestellten Befunden geführt hat, vollständig schweigt. Mit welcher Methode hat er beispielsweise die Plagiatsbeispiele gezählt, die im Februar 2013 bei Schavanplag dokumentiert waren? Das Ergebnis dieser Untersuchung „27” erwies sich als mit keiner bekannten Zähl- oder Berechnungsmethode nachzuvollziehen. Auch die anderen Feststellungen bleiben schleierhaft – ganz gleich, welche Augenspülung man einsetzt. Nicht einmal das gute Frostschutz-Scheibenklar zeigte Wirkung. Doch ein solcher Ansatz ist natürlich verfehlt. Schließlich ist Reims Wissenschaft nicht durch ihre Methode richtig, sondern durch ihre Autorität. Also durch die Anschrift.

Vor Gericht könnte es nächste Woche auch genau darum gehen: Was sich die Universität Düsseldorf erlaubt, indem sie einfach so zu Ergebnissen kommt, die denen der erziehungswissenschaftlichen Autoritäten widersprechen. Oder denen der Alten Herren.

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3 Antworten zu “Sich einen Reim machen auf die Causa Schavan

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